Auf einem dieser blanken Aluminiumkarren, in deren Bauch sich von Hot dogs bis zu kühlen Drinks alles verbergen kann, steht ein Glaskrug mit Orangensaft, zwei Säulen Pappbecher. Hinter dem Karren steht ein blonder Hühne, der mit aufmunterndem Lächeln Becher vollgießt, sie mit einer Serviette, hinüberreicht, kassiert und sich, sobald der Kundenstrom abreißt, daranmacht, neuen Saft zu pressen.

Die Krüge mit frischem Orangensaft sind eine Novität im New Yorker Straßenbild dieses Sommers. Zuerst sah man sie an der Park Avenue – ein angemessenes Pflaster, um ein Produkt anzubieten, das sich von solch eher plebejischen Erfrischungen wie Eis und Pepsi-Cola unterscheiden soll.

Einige Stände haben auch große flache Kekse in einem Korb, eigentlich eher Fladen: Datmeal Cookies, das sind mit Hafermehl gehauene und manchmal durch Schokoladenplätzchen verfeinerte Gesundheitskekse, wie sie in Jedem „health food störe“ angeboten werden.

Ohne Zweifel haben die Orangensaftverkäufer eine Marktlücke entdeckt. Der Hüne vom Columbus Circle, dem vom unentwegten Bedienen der Fruchtpresse schon früh morgens große Schweißperlen auf der Stirn stehen, bestätigt, daß die Schufterei sich lohnt: „Hundert Dollar Tagesverdienst sind kein Pappenstiel.“ Zumal, wenn man Student ist.

Mit Orangensaft und Haferkeksen hat die Gesundheitswelle nun auch die unterste Stufe amerikanischer Imbißkultur erreicht.

Was die New Yorker von den an jeder Straßenecke geparkten „push carts“ erwarten, ist das übliche – Eis im Sommer, Brezel und heiße Kastanien im Winter, Hot dogs zu jeder Jahreszeit Wie weit das neue Health-food-Angebot dieses gewohnte Straßenmenü reformieren kann, bleibt abzuwarten. Immerhin scheint es genügend Leute zu geben, die dem Mädchen an der dritten Avenue ihre „Falafel“ abkaufen, eine „israelisch-libanesische Spezialität“, wie die Köchin in Nichtachtung tagespolitischer Realitäten verkündet. Mitten im dicksten Verkehrsgewühl schneidet sie Tomaten und Salat, brät eine Art vegetarischer Knödel in Öl und füllt alles zusammen in Brottaschen.

Auf der Straße zu kauen ist in dieser Stadt der Supereiligen ein durchaus akzeptiertes Verhalten.