DIE ZEIT

Enttäuschter Einzelkämpfer

Herbert Gruhl, Bundestagsabgeordneter der CDU, hat den Austritt aus seiner Partei erklärt. Der engagierte Umwelt- und Naturschützer zog die Konsequenz aus seinem Vorwurf, daß die CDU unfähig sei, „die völlig neue Problemstellung der heutigen Welt“ zu erkennen, zu diskutieren, geschweige denn in Wort und Tat sich zu eigen zu machen.

Eingesperrte Gedanken

Ich will mich nicht einem System beugen, das sich nur durch totalitäre Bewußtseinsmanipulation, durch Bespitzelung von (Anders-) Denkenden, durch Erpressung und Verleumdung an der Macht halten kann.

Sieben mit Sorgen

Seit der Premiere in Rambouillet vor knapp drei Jahren offenbaren die Weltwirtschaftsgipfel zumindest eine Gesetzmäßigkeit: Je öfter sich die Führer der wichtigsten westlichen Industrienationen treffen, um so niedriger versuchen sie den Erwartungspegel zu halten.

Uneinsichtig bis zum Ende

Baden-Württembergs Ministerpräsident Hans Karl Filbinger ist wieder in den Bergen, weil er glaubt, er sei über den Berg, wie er der Bild-Zeitung erklärte.

Alles in Ordnung

Er hat recht. Denn der Staat will ihm nichts tun. Er fahndet nur nach ihm, sofern er zwischen 20 und 35 Jahre alt ist, und nur mit einem grobmaschigen Jahre Man muß schon bei geeignetem Alter im Flugzeug oder im Linienbus neben einem Terrorismus-Verdächtigen gesessen haben, ehe man in dieses Netz gerät.

Worte der Woche

„Ich habe für eine Position einzutreten. Und mit der Räumung meiner Position würde naturgemäß auch etwas Sachlich-Inhaltliches in der deutschen Politik geändert werden beziehungsweise geräumt werden.

Eins plus und Stacheldraht für Bonn

Das sagt man so: „gerüstet“. Hier will es ganz wörtlich verstanden werden. Zwar ist an Einzelheiten wenig zu erfahren. Aber dessen darf man gewiß sein: Die Bundeshauptstadt erlebt ihren bisher größten Einsatz von Sicherheitskräften: der Polizei, des Bundesgrenzschutzes, des Bundeskriminalamtes sowie privater Sicherheitsdienste (von den Bonnern „Polit-Rocker“ genannt).

Im stillen Auge eines Sturms

Wer glaubt, hektisches Durcheinander und ein Nervenbündel vorzufinden, irrt sich gewaltig. Franz Jochen Schoeller, Protokollchef des Auswärtigen Amtes und damit Zeremonienmeister der Republik, sitzt am Vorabend seiner größten Bewährungsprobe so ruhig am Schreibtisch, als habe er allenfalls noch eine Golfpartie vor sich.

Zeitspiegel

Fidel Castro kann vieles nachgesagt werden, aber kaum Heuchelei. In einer Rede vor der Nationalversammlung erklärte er unverblümt, daß die Insel noch 20 Jahre lang große wirtschaftliche Probleme haben werde.

Wolf gang Ebert: Ein Zipfel vom Gipfel

Endlich waren die beiden Staatsmänner allein. Aber bevor sie ihr Photographen-Grinsen gefrieren und die Masken fallen ließen, erkundigte sich der Kanzler noch bei Carter, wie ihm der Flug gefallen habe.

Die schwierigen, wichtigen Partner

Helmut Schmidts Schwierigkeiten mit Jimmy Carter begannen mit einer Liebeserklärung an den amerikanischen Präsidenten. "Ich mag Ihren Präsidenten wirklich", verriet er einem Newsweek-Reporter.

Korrespondenten in der DDR: Anklage ohne Beweise

Nicht nur in Prag und Moskau wurden westliche Journalisten mit Ausweisungen – und Gerichtsverfahren gemaßregelt. Auch in der DDR müssen sich die Korrespondenten massive Angriffe gefallen lassen.

Ein Sextett wie du und ich

Im selben Saal des Düsseldorfer Oberlandesgerichts, in dem vor drei Jahren dem Kanzlerspion Günter Guillaume der Prozeß gemacht wurde, ist jetzt Renate Lutze, die 38jährige ehemalige Chefsekretärin aus dem Wirklichkeitsnisterium, des schweren Landesverrats angeklagt.

Ein Manifest der Unabhängigkeit

Es könnte sein, daß Helmut Plambeck, Vorsitzender des 3. Strafsenats beim Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg, und seine Beisitzer in diesen Tagen böse Briefe bekommen, in denen sie der Nestbeschmutzung geziehen werden.

Italien: Ein Moderator der Moral

Draußen schwenkten junge Leute für den alten Herrn begeistert rote Fahnen mit Hammer und Sichel. Drinnen im Parlamentsgebäude waren Gardekürassiere in Helm und Federputz aufgezogen, festliche Samtbehänge mit Trikolorenbündeln zierten den Sitzungssaal, wo Sandro Pertini, der neue Präsident der italienischen Republik den ersten, ganz unzeremoniellen Beifall von rechts bis links erntete, als er sagte: „Wenn man mir, einem Sozialisten von jeher, die radikalste soziale Reform um den Preis der Freiheit anböte, würde ich das zurückweisen, denn die Freiheit kann niemals Gegenstand eines Tauschhandels sein.

Ohrfeige für Carter?

Direkt, indirekt, amtlich, halbamtlich, privat – über alle nur denkbaren Kanäle hatte Washington den Kreml wissen lassen, daß ein Hochverrats- und Spionageprozeß gegen Anatolij Schtscharanskij und ein hartes Urteil die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen schwer belasten würden.

Der kleine Drachen und der Wolf

Das Schreckgespenst der Domino-Theorie trieb die amerikanischen Präsidenten Kennedy und Johnson samt ihrer Nation in den Vietnamkrieg.

Ein Komplott des Kreml?

Das westliche Bedrohungsbild des revolutionären Afghanistan stützt sich weithin auf iranische, auch pakistanische Feindbilder.

Außer Tritt

Seit rund vier Wochen schon berät in der Bundeshauptstadt eine internationale Versammlung, die, was Aufwand und Tam-Tam angeht, das genaue Gegenteil, etwa des Weltwirtschaftsgipfels darstellt.

Machtwechsel in Mauretanien

Einen Tag nach ihrer Machtübernahme hat die Militärjunta in dem nordwestafrikanischen Wüstenstaat Mauretanien am Dienstag die Bildung eines 16köpfigen Kabinetts bekanntgegeben.

Polen: „Keine Feinde kultivieren“

Die polnische Westgrenze wurde nicht endgültig von Deutschland anerkannt. Die bestehenden Verträge verpflichten, der Erklärung des Bundestages und dem Urteil des Verfassungsgerichts der BRD gemäß, nur den jetzt bestehenden Staat Bundesrepublik Deutschland, nicht jedoch ein künftiges vereinigtes Deutschland.

Absage an europäische Euphorie

ZEIT: Herr Bürgermeister, Sie haben vor Beginn des Europäischen Rates in Bremen eine europapolitische Äußerung getan, die einiges Aufsehen erregt hat.

NS-Vergangenheit: "Gnadenlose Härte"

Sie saßen gerade beim Abendbrot, der ehemalige Steuermann-Gefreite vom Troßschiff "Kärnten", Günther K., 57 Jahre alt, und seine Frau.

„Riga“ siegte über „Jalta“

Geschichte ist immer rückwärtsgewandte Politik. Die sechziger Jahre haben uns einen schier nicht enden wollenden Fluß an Literatur über den Kalten Krieg beschert – nicht etwa, weil plötzlich die Archive ihre Pforten öffneten, sondern weil Amerika im Vietnamkrieg verstrickt war.

Die konzertierte Resignation

Das ganz große Echo – und das verdient Beachtung – blieb aus. Bonns Lobbyisten, ansonsten allgegenwärtig mit Forderungen und Protesten, straften das radikale Steuervereinfachungs-Konzept des rheinland-pfälzischen Finanzministers Johann Wilhelm Gaddum fast einträchtig mit Schweigen.

Wenn Carter nichts gibt...

Bundeskanzler Helmut Schmidt ist entschlossen, auch den Mißerfolg zu riskieren. Wenn der amerikanische Präsident Carter beim Treffen der Staats- und Regierungschefs aus den sieben wichtigen Industrieländern, das am kommenden Sonntag in Bonn beginnt, nicht überzeugend verspricht, daß die Vereinigten Staaten ihre Öleinfuhren drastisch drosseln werden, will der Kanzler auch den erwarteten deutschen Beitrag im Kampf gegen Wachstumsschwäche und Arbeitslosigkeit verweigern.

Die Starken sollen helfen

In Großbritannien sind alle Blicke auf die nächste Wahl gerichtet, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im Oktober veranstaltet wird.

Schuld sind die anderen

Wenn Jimmy Carter das Flugzeug nach Bonn besteigt, fehlt in seinem Reisegepäck ein sehnsüchtig erwartetes Mitbringsel: die Zustimmung des Kongresses zum Energiesparprogramm des Präsidenten.

Die stille Revolution

Armer Jean-Baptiste Colbert: Fast dreihundert Jahre nach dem Tod des getreuen Finanzministers Ludwig XIV. wurde jetzt sein Vermächtnis an die Nation, der Colbertismus, zur Irrlehre erklärt.

Währungsspiele im Sandkasten

Auf der Bremer Konferenz der Staats- und Regierungschefs aus den Mitgliedsländern der Europäischen Gemeinschaft hat die gemeinsame Währungs-Initiative von Frankreichs Staatspräsident Giscard d’Estaing und Bundeskanzler Helmut Schmidt Zustimmung gefunden.

Es geht um unser Geld

Klasen: Ich habe mit Spannung den Bremer Gipfel verfolgt, besonders die Dinge, die die Währungspolitik betreffen. Über wirklich reale Fortschritte hin zur Währungsunion würde ich mich stets freuen.

"...er hat abgehoben"

Helmut Schmidt ist ein studierter Nationalökonom. Und wer ihn über die Jahre vor und nach seiner Berufung zum Kanzler häufiger sah, mußte bewundern: Was ihm fehlte, hatte er über die Jahre gelernt.

Zinsen in Bewegung

Bislang ist es der Bundesbank nicht gelungen, den nun schon seit Wochen im Gange befindlichen Zinsauftrieb zu bremsen. Die Kurse der festverzinslichen Papiere fallen von Tag zu Tag.

Nicht alle waren tüchtig

Ein Blick auf die obenstehende Tabelle läßterkennen, daß die Fonds im ersten Halbjahr 1978 nicht im Gleichschritt marschiert sind, auch nicht die mit gleicher Zielsetzung.

Manager und Märkte

Hans L. Merkle, Chef der Robert Bosch GmbH, ist nicht der Mann, der Fragen mit Ja oder Nein beantwortet. Auch Nebensächliches pflegt er ausführlich darzutun.

Neue Struktur nötig

Matthöfer: Die Überlegungen, die sich in diesem Papier konkretisiert haben, wurden schon seit längerer Zeit angestellt, und sie wären wohl auch dann vorgebracht worden, wenn es jetzt nicht darum ginge, ein eventuelles Konjunkturprogramm vorzubereiten, Auch ich habe als Forschungs- und Technologieminister betont, daß wir in der Bundesrepublik eine Wirtschafts- und Industriestruktur brauchen, die weniger Rohstoffe und wenigerEnergie benötigt, umweltfreundlich ist und in ihrer Wertschöpfung einen möglichst hohen Anteil an Löhnen und Gehältern für hochqualifizierte Fachkräfte enthält.

Zeitraffer

Was den Deutschen ihr persönliches Wohlbefinden wert ist und wie sie es pflegen, untersuchte jetzt der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie in einer Umfrage.

Deutschland: In der Verantwortung

In den vergangenen drei Jahren hat die Mark das britische Pfund vom Platz der zweitwichtigsten Reservewährung verdrängt. Die Zentralbanken anderer Länder haben damit begonnen, einen Teil jener Devisenreserven in Mark zu halten, die sie sich hinlegen, damit die Unternehmer ihres Landes zur Bezahlung ihrer Einfuhrrechnungen Devisen bei ihnen kaufen können.

Buch der Woche

„Überlegungen zu einer vorausschauenden Arbeitsmarktpolitik (II)“, herausgegeben von der Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg 1978.

Rückenwind für den kleinen Airbus

Zum zweitenmal hebt die Lufthansa einen neuen Flugzeugtyp aus der Taufe: 1965 unterschrieb Lufthansa-Technikchef Gerhard Höltje den ersten Kaufvertrag für das Kurzstreckenflugzeug Boeing 737 und handelte sich dafür den Spitznamen „Mister 737“ ein; am Donnerstag letzter Woche gab Höltje-Nachfolger Reinhard Abraham die erste Order für den kleinen europäischen Airbus A 300 300-B 10.

Wut über die verlorenen Groschen

Der Grimm und die Verbitterung der einheimischen Spediteure war von Anfang an groß. Sie fahren schon jetzt aus Konkurrenzgründen zu Sätzen, die bis zu fünfzig Prozent unter ihren offiziellen Tarifen liegen, und fürchten, durch die neue Abgabe noch weiter ins Hintertreffen zu geraten.

Im Münchner Nationaltheater wurde zur Eröffnung der Festspiele 1978 Aribert Reimanns Oper „Lear“ nach Shakespeare mit großem Erfolg uraufgeführt: Wahnsinn ist überall

Ein biblischer Prophet in einer Szene von Becken, dazu ein paar Versatzstücke aus einer nordischen Heldensage und einiges aus dem Science-fiction-Fundus: Durch eine Ödnis, wie sie trister kaum auf dem Mond zu finden wäre, durch staubig graue Felsbrocken und staubig graues Hartgras stolpert ein staubig grauer Mensch scheinbar einen Hügel hinauf, verharrt dort einen Moment, scheint sich zu besinnen, wirft dann die Arme gegen den Himmel, „Blast, Winde! Sprengt die Backen! Wütet! Blast!“, steigert sich hektisch, exaltiert, überschlägt sich – ein Mann in Ekstase, ein Mensch zwischen Vision und Wahnsinn.

Die Stunde der Märchenonkel?

Nun haben sie also zugeschlagen, „die Spannungskiller vom Ersten Programm“, jene Spielverderber und Miesmacher, die „viele Krimis killen wollen“: Im adäquaten Killer-Jargon machten sich Axel Springers Welt und Bild zum Anwalt der empörten Volksseele.

Die Arbeit des Auslassens

Man macht sich an Harold Raten "Proust-Drehbuch" ("The Proust Screenplay", veröffentlicht 1977 im Verlag Grove Press, New York; 2,95 Dollar) mit dem Vorsatz, nicht darüber zu klagen, daß Prousts Sprache darin verschwunden ist.

Zeitmosaik

„Ein Rechtsanwalt, der als Lehrer an einer Fachhochschule berechtigt ist, die Bezeichnung ,Professor’ zu führen, verstößt nicht gegen § 3 UWG (Verbot irreführender Angaben im Wettbewerb), wenn er die Bezeichnung auch bei der Ausübung seiner Anwaltstätigkeit führt .

Die neue Schallplatte

Sergej Rachmaninow: „Paganini-Rhapsodie“ / Ernst von Dohnányi: „Kinderlied-Variationen“. Stücke, die für manch einen allenfalls zum virtuosen Tingeltangel zählen, für einige gar schlicht unter musikalischem Kitsch rangieren.

Stille gleich Kraft

Ausstellungsnummer 153, eine Bleistiftzeichnung Ruthenbecks von 1976: ein Raum, eine Gardine, bodenlang, in der Mitte von einer Stange durchzogen – eine von zweihundert ausgestellten Zeichnungen und eine der Arbeiten, die irritierend einbrechen in die Welt des Alltäglichen, vertraute Seh- und Lebensgewohnheiten stören, sich auflehnen gegen enge Denk- und Wahrnehmungsmuster und sogenannte Realitäten nicht einfach hinnehmen.

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