„Ins eigene Netz...“, Aphorismen von Gerhard Uhlenbrock. „Aphorismen enthalten so viel Wahres, daß sie oft mehreren Leuten einfallen.“ Ein sympathisch gelassener Standpunkt gegenüber der Sorge um die eigene Originalität, zu der gerade der Dr. Uhlenbrock, Professor für Immunbiologie in Köln, wenig Anlaß hat („Arzt: Er mußte anderen helfen, er wußte sich nicht anders zu helfen“). Wer sich neben das scharfe Skalpell einen dito Bleistift legt („Auch die unglückliche Liebe geht durch den Magen, oft sogar durch die Magenwand“), für den fallen bei Handhabung beider Instrumente Aphorismen wohl so zwangsläufig ab wie ein Blinddarm bei einer Appendektomie. Zwar entspricht ein Arzt mit Humor nicht dem Klischee vom „Halbgott in Weiß“ („Manche Leute kann man nicht auf den Arm nehmen, weil man sie sonst fallen ließe“), aber wer von dem extrem skeptischen Ansatz ausgeht: Wahrheit ist, was wir in Wahrheit nicht wissen“, hat – paradoxerweise, und gerade im kritischen Fall – als Arzt wie als Mensch. Kraft zu der Maxime: „In dubio pro spe.“ (Stippak Verlag, Aachen, 1977; 114 S., 14,80 DM.)

Hanns-Hermann Kersten