München: „Piranesi“

Giovanni Battista Piranesi, ein ungemein produktiver Künstler, sein druckgraphisches Oeuvre umfaßt rund 1000 Blätter, ist heute vor allem bekannt als Schöpfer der „Carceri“, veröffentlicht 1745. Die „phantasievollen Erfindungen“ (so Piranesis eigene Bezeichnung) waren das Werk eines Fünfundzwanzigjährigen, der in einer Reihe irrealer Kerker-Architekturen kafkaeske Visionen präfiguriert hat. Das existentialistische Welterlebnis hat sich in den Darstellungen labyrinthischer Gefängisse wiedererkannt – daher die erneute Wertschätzung einer Radierungsfolge, die durchaus nicht typisch ist für Piranesis Gesamtwerk. Die „Carceri“, offensichtlich angeregt von den Theaterdekorationen der Galli-Bibiena, gehören zu seinen bedeutenden Arbeiten, Piranesis Ruhm bei den Zeitgenossen beruhte jedoch zurecht auf den „Vedute di Roma“. Dieses Hauptwerk Piranesis, an dem er von 1748 bis zu seinem Tode im Jahr 1778 weiterarbeitete, enthält die Summe seiner Kunst Er hat die Vedute, das Architekturbild von den genreartigen Zügen befreit, und die Bauten in seinen Ansichten monumentalisiert Piranesi, der bei der Signatur die Bezeichnung. Architekt hinzugefügt, aber selbst kaum gebaut hat, dramatisierte die Bauten Roms, die Kirchen und Paläste des Modernen, ebenso wie die Ruinen des Antiken durch ungewöhnliche Perspektiven und übersteigerte Größenverhältnisse. Er hat die klassische Größe der römischen Architektur großartig abgebildet und so die Vorstellungen von der einzigartigen Bedeutung der Bauwerke der Ewigen Stadt entscheidend mitgeprägt, vom Klassizismus bis heute. (Staatliche Graphische Sammlung bis zum 30. Juli, Faltblatt 1 Mark) Helmut Schneider