Nach einem unblutigen Putsch hat in Mauretanien das Militär die Macht übernommen und den prowestlichen Staatschef Moktar Ould Daddah abgesetzt Der politische Kurs der neuen Regierung ist noch unklar.

Einen Tag nach ihrer Machtübernahme hat die Militärjunta in dem nordwestafrikanischen Wüstenstaat Mauretanien am Dienstag die Bildung eines 16köpfigen Kabinetts bekanntgegeben. Die wichtigsten Ministerien sollen nach Radiomeldungen aus der Hauptstadt Nouakschott von Zivilisten besetzt werden. An der Spitze der neuen Regierung steht der 43 Jahre alte Oberst Mustafa Ould Salek, der seine militärische Ausbildung in Frankreich erfahren hat.

Der nach 17jähriger Amtszeit gestürzte Präsident Moktar Ould Daddah und seine Minister wurden bei dem Putsch verhaftet. Nach einer Erklärung der neuen Machthaber wurden sie wegen „Volks- und staatsfeindlicher Korruption“ abgesetzt und unter Hausarrest gestellt. Ein Prozeß soll ihnen jedoch nicht gemacht werden.

Obwohl alle Militäreinheiten des Landes der neuen Führung inzwischen ihre Loyalität versichert haben, wurde über das von 1,3 Millionen Einwohnern dünn besiedelte, wenngleich fünffach größere Land als die Bundesrepublik eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Außerdem setzte die Militärjunta, über deren Zusammensetzung bislang keine zuverlässigen Nachrichten vorliegen, die Verfassung außer Kraft und löste die regierende Einheitspartei auf.

Als politisches Grundsatzprogramm kündigten die Militärs an, sie wollten „brüderliche und freundschaftliche Beziehungen“ zu allen Nachbarn pflegen und den „nationalen Wiederaufbau zugunsten des ganzen Volkes“ betreiben. In einer von Radio Nouakschott verlesenen Erklärung hieß es weiter, alle bürgerlichen Freiheiten und die Sicherheit der Ausländer – vor allem der rund 3500 französischen Techniker und Militärberater – seien verbürgt.

Andererseits äußerten sich die neuen Machthaber noch nicht eindeutig dazu, ob sie den politischen Kurs gegenüber Algerien und der von Algier unterstützten – „Befreiungsfront für Westsahara“ (Polisario) ändern wollen. Die mauretanische Armee hatte in den vergangenen drei Jahren gemeinsam mit Frankreich und Marokko gegen den Unabhängigkeitsanspruch des Sahauri-Volkes in der Westsahara gekämpft.

Sollten die Militärs einen proalgerischen Kurs einschlagen, so würde dies vor allem zu erheblichen Spannungen mit Marokko führen, das in dem von ihm besetzten Teil der ehemals spanischen Kolonie Westsahara die Polisario erbittert, wenngleich bisher ohne nachhaltigen Erfolg bekämpft. So erklärte ein Regierungssprecher in der marokkanischen Hauptstadt Rabat, daß die „große Gefahr einer Konfrontation“ entstehe, falls Marokko sein nach inoffiziellen Angaben etwa 8000 Mann starkes militärisches Kontingent aus Mauretanien abziehen müsse und diese Truppen womöglich durch Algerier ersetzt würden.