ZDF, Freitag, 7, Juli: „Aspekte“

Sie hatten wissen wollen, ob „bei dieser Betriebsamkeit gemeint war die Stadttheater-Saison und die Festspielzeit – auch die andere, die moderne Oper zu ihrem Recht komme“. Ihre „Untersuchung“: ganze zehn Kamera-Einstellungen – nämlich drei Interviews, mit Fragen wie: Gibt es (an den Intendanten von Dohnányi) Stiltendenzen der neuen Oper? (Nein.) Kann (an den Komponisten Kelterborn) das nächste Stück auch von Dürrenmatt sein? (Ja.) Glauben Sie, daß der Text auch gesprochen und nicht nur gesungen eine Funktion bekommt? (ja.) Glauben Sie( an den Komponisten Reimann), daß die Melodie stärker als früher wieder zur Geltung kommt? (Ja.)

Die restlichen sechs Einstellungen: Szenen aus Ligetis „Aventures“, Nonos „Al gran sole“, Reimanns „Lear“.Darüber dann Feststellungen, etwa: „In der nun auslaufenden Saison boten die 50 deutschen Opernhäuser rund 300 Neueinstudierungen, aber es waren keine 10 neuen Werke dabei“– nur welche es waren, ob sie etwas taugten und das Engagement lohnten oder nicht, erfuhr man nicht. Demagogische Abwertung zu Nono: „Für den italienischen Komponisten gilt nur eine Tendenz – mit der Oper Politik machen ... Die Diskrepanz zwischen starken politischen Parolen und schwacher musiktheatralischer Wirkungskraft war sehr deutlich“. Oder Phrasen wie „Menschliches Schicksal auf dem Hintergrund allgemeingültiger Perspektiven zeigten der Dichter Dürrenmatt und der Komponist Kelterborn.“

Den Vogel aber schoß der Moderator Dieter Schwarzenau ab, der aus dem Un-Bericht ein Facit abzuleiten sich in der Lage sah: „Die moderne Oper hat kein Publikum und damit auch kaum eine Chance, sich zu entwickeln.“

Sie hat so lange kaum eine Chance, wie eine Fernseh-Anstalt mit flink zusammengehauenen Filmchen wie diesem nicht einmal die Spur einer Andeutung von Information liefert, eine Anstalt, die selber auch nicht die geringste Mühe macht, in ihrem Programm der Neuen Musik sachdienliche Hilfen zu geben, damit sie ein Publikum und damit eine Chance bekomme.

Heinz Josef Herbort