„Ein Rechtsanwalt, der als Lehrer an einer Fachhochschule berechtigt ist, die Bezeichnung ,Professor’ zu führen, verstößt nicht gegen § 3 UWG (Verbot irreführender Angaben im Wettbewerb), wenn er die Bezeichnung auch bei der Ausübung seiner Anwaltstätigkeit führt ... Es mag zwar sein, daß er bei einem nicht geringfügigen Teil des rechtssuchenden Publikums auf diese Weise den Eindruck erweckt, er sei schon deshalb, weil er ,Professor’ sei, eine besonders herausragende Kapazität auf dem Gebiete des Rechts. Sollte ein solcher Eindruck erweckt werden, so würde er indes auf antiquierten Vorstellungen beruhen, weil der Bundesgesetzgeber durch das Hochschulrahmengesetz (HochschulRG) vom 26. 1. 1976 der herausragenden Stellung des „Professors’ als promovierter und habilitierter Universitäts- oder Hochschullehrer ein Ende bereitet hat. Nach § 44 I, II HochschulRG gibt es nunmehr Professoren an Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen, die weder promoviert noch habilitiert zu sein brauchen. Der Gesetzgeber hat also die Ursache dafür gesetzt, daß es heute eine Vielzahl von Professoren gibt, die möglicherweise nicht mehr dem elitären Bild entsprechen, das ein verhältnismäßig nicht geringfügiger Teil des Publikums (noch) mit der Bezeichnung Professor verbindet.“

Aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Bremen, mitgeteilt in der „Neuen Juristischen Wochenschrift“, 7/1978

Mit dpa im theater

bad hersfeld, 7. Juli 78 dpa/lhe – ungewoehnlich hat der bad hersfelder festspielintendant guenther fleckenstein thornton wilders 1942 geschriebenes schauspiel „wir sind noch einmal davongekommen“ inszeniert, das als zweites festspiel-stueck premiere hatte, das publikum schien sich nur zoegernd mit der aktualisierten interpretation anzufreunden, applaudierte nur kurz und verliess zum teil achselzuckend die historische stiftsruine. fleckenstein hat dem wilderschen ansager (Uwe guenzler) neben historischen auch aktuelle probleme in den mund gelegt, laesst ihn ueber die stiftsruine, den erstmals in diesem jahr nicht verliehenen hersfeld-preis, kriegs-schauplaetze und die neutronenwaffe laut nachdenken, schauspielerisch gelangen dem festspiel-team beachtliche leistungen. die als fabelwesen angelegte familie antrobus wurde von Friedrich schuetter und elke twiesselmann kraftvoll verkoerpert. deren tochter gladys stellte brigitte boettrich suess und sinnlich dar. die rolle des bitterboesen sohnes henry schien sigmar solbach auf den leib geschneidert. interessante Studien lieferten franz-j. nagler als mechanisch funktionierender telegraphenbote und aenne nau als kassandra-aehnliche wahrsagerin. stoerend wirkte die mangelhafte Sprechtechnik der sonst impulsiven daniela ziegler als Sabina, deren rollenwechsel auch nur ansatzweise gelangen. in der Choreographie von jass hakoshima und mit der temperamentvollen musik glenn walbaums wurden taenzer zu „bewegten buehnenbildern“, schlagzeugwirbel und schlangentaenze verwandelten die ehrwuerdige stiftsruine zum vergnuegen der Zuschauer in ein tosendes suendenbabel.