Ehrlicher Fidel

Fidel Castro kann vieles nachgesagt werden, aber kaum Heuchelei. In einer Rede vor der Nationalversammlung erklärte er unverblümt, daß die Insel noch 20 Jahre lang große wirtschaftliche Probleme haben werde. Selbst wenn man eingestehe, daß die Regierung die Wirtschaft vernachlässigt und der „historischen Illusion“ angehangen habe, den Kommunismus vor der Errichtung des Sozialismus zu erreichen: „Wir haben mindestens 20 Jahre mit vielen Schwierigkeiten vor uns. Welche Mittel haben wir? Nun, da ist ein Mittel: der Verstand des Menschen.“

Hoffnung für Bangla Desh

Eines der größten Flüchtlingsprobleme dieser Tage scheint unverhofft eine Lösung gefunden zu haben: Burma hat sich bereit erklärt, über 200 000 Bangladeshis, die es seit Anfang März aus der Grenzprovinz Arakan vertrieben hatte, wieder aufzunehmen. Bangla Desh, das übervölkertste und möglicherweise auch ärmste Land der Erde, war außerstande, sich dieser Flüchtlingsmassen anzunehmen. Was die Burmesen zu dieser plötzlichen Kehrtwendung bewogen hat, ist ebenso unbekannt wie der Grund, der sie zu der Vertreibung der Bangladeshis veranlaßt hat.

Vor dreißig Jahren: Berlin-Krise

„In einem Punkt werden die Protestnoten der Westmächte in jedem Fall ihr Ziel verfehlen: in der Absicht, der Sowjetunion das Eingeständnis abzunötigen, daß die Blockade der Berliner Westsektoren eine inhumane Waffe sei. Moralische Momente, auch wenn es sich dabei um die Aushungerung von 2,4 Millionen wehrlosen Zivilisten handelt, sind für die Praktiken eines totalitären Regimes kein Argument.“

DIE ZEIT vom 15. Juli 1948