Die Herkunft homosexuellen oder des lesbischen Verhaltens beim Menschen ist noch ungeklärt. Wissenschaftliche Studien an Männern und Frauen wiesen auf die Bedeutung auffälliger Rollenkonstellationen in der Familie von Homosexuellen hin, prüften die Auswirkungen früher „Verführung“ durch ältere gleichgeschlechtliche Sexualpartner oder zeigten Normabweichungen im Hormonhaushalt männlicher Homosexueller auf. Über eine Untersuchung derTestosteronwerte von Lesbierinnen berichtete Dr. Srikantha Pal von der Universität Ulm in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Sexualmedizin. Danach war die Konzentration des männlichen Geschlechtshormons Testosteron im Harn wie im Blutplasma lesbischer Frauen deutlich erhöht; bei jeder einzelnen der zwölf Lesbierinnen lag der Testosteron-(bzw. Testosteron-Glukuronid-)Spiegel über dem entsprechenden Mittelwert der Kontrollgruppe von 30 unauffälligen Frauen. Freilich läßt sich auch durch so deutliche Befunde der Streit um die biologische oder psychische Ursache von Homosexualität nicht beilegen, denn solche Normabweichungen könnten, wie Pal schreibt, „durch die Einwirkung psychischer Faktoren auf hypothalamische Zentren (die im Gehirn den Hormonstoffwechsel regeln) bedingt sein“ – oder aber durch ihr Auftreten in jener Phase des Lebens, in der die Richtung des späteren Sexualverhaltens festgelegt wird, zu einer lesbischen Orientierung führen.

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Ultrahocherhitzte Milch (H-Milch) kann ohne Kühlung mehrere Monate gelagert werden, besitzt aber einen ausgeprägten Nebengeschmack, der sie sofort als gekochte Milch kennzeichnet. Der Geschmack stammt von schwefelhaltigen Verbindungen, die bei dem Prozeß der Haltbarmachung – Erhitzen auf 140 Grad Celsius für zwei Sekunden – entstehen. Der amerikanische Chemiker Harold Swaisgood von der North Carolina State University hat jetzt ein Verfahren vorgestellt, das diesen Nebengeschmack beseitigt. Die Umwandlung der schlecht schmeckenden schwefelhaltigen Verbindungen in geschmacklose Stoffe bewerkstelligt ein chemischer Wirkstoff, das Enzym Sulfhydryloxidase, das aus der Molke gewonnen werden kann. Das Enzym ist allerdings teuer und darf zudem nicht in der Milch verbleiben. Swaisgoods Verfahren bindet deshalb den Wirkstoff auf der Oberfläche eines Spezialglases chemisch fest, ohne daß die Wirksamkeit beeinträchtigt wird.

Ein leistungsstarker Elektromotor verbraucht, wenn er leerläuft oder nicht bis zu seiner Leistungsgrenze ausgelastet ist, unnötig viel Strom. Diesen könnte man einsparen, sagte sich Nasa-Ingenieur Frank Nola, und er ersann eine Apparatur, die just dies tut. Sein Power Factor Controller (PFC) mißt kontinuierlich die jeweilige Motorbelastung und regelt entsprechend die elektrische Spannung auf den optimalen Wert. Das spart zwischen acht und 65 Prozent an Strom.

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Die Zeiten des „Kurlaubs“ sind einstweilen dahin. Im Gefolge von Rentenmisere und Wirtschaftsflaute üben versicherte Arbeitnehmer mit Anträgen auf Heilmaßnahmen zusehends Zurückhaltung. 1975 etwa weilten allein 377 600 Mitglieder der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) in Kurorten. Im Januar 1978 nun gingen bei der BfA elf Prozent weniger Anträge ein als im Jahr zuvor. Das entspricht einem Minus von neun Prozent gemessen an 1976 und einem Minus von gar 39 Prozent gegenüber 1975. Zwar sind nach den einschränkenden Maßnahmen des 20. Rentenanpassungsgesetztes freiwillig Versicherte vielfach nicht länger anspruchsberechtigt. Doch nicht nur bei der BfA bereitet es Sorge, daß selbst von ärztlicher Seite dringend befürwortete Heilverfahren, obwohl bewilligt, seltener wahrgenommen werden. Insgesamt nämlich sind die Ausgabenansätze für Heilmaßnahmen in den Etats der Kurträger gering: drei Prozent bei der BfA, 2,3 Prozent bei der Deutschen Angestellten-Krankenkasse und nur 0,8 Prozent bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen.