Tagungen und Kongresse im Ausland sind beliebt, zumal, wenn man auch noch eingeladen wird. Die American Society of Travel Agents (ASTA), der wohl mächtigste Reisebüro-Verband der Welt, hatte bislang nie Probleme, ein finanzstarkes Gastgeberland für ihre Jahresversammlung zu finden. Meist konnte man sich den Tagungsort sogar aussuchen, es hagelte Offerten genug, denn fast jedes Land verspricht sich von der Ausrichtung des ASTA-Kongresses in den darauffolgenden Jahren einen erheblichen Anstieg der Touristenzahlen aus den USA.

Im letzten Jahr trafen sich die US-Touristiker in Madrid, in diesem Jahr werden, sie in Acapulco tagen, und im Oktober 1979 wollen die 7000 ASTA-Mitglieder nach München kommen. So ist es jedenfalls geplant. Ob sie allerdings wirklich gen Bayern reisen oder ob sie kurzfristig wieder ausgeladen werden müssen, weiß im Moment niemand mit Sicherheit zu sagen. Es mangelt, keineswegs, an Gastfreundschaft, nur Geld ist (noch) nicht in der Kasse.

Das wird aber dringend benötigt. Rund 5,3 Millionen Mark soll es kosten, die Gaste einzufliegen, ihre Hotelrechnungen zu bezahlen und ihre Ausflüge zu organisieren. Eine Investition mit der vagen Hoffnung auf mehr US-Touristen.

Der Mann, der ASTA eingeladen hat, ist für die Finanzierung, die bereits viel früher hätte gesichert werden müssen, nicht mehr verantwortlich. Otto Hiebl, bis vor zwei Wochen Direktor des Münchner Fremdenverkehrsamtes, ist in das Management des Wienerwald-Konzerns übergewechselt. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Er muß sich zutrauen, gleich diesen „Super-Kongreß“ mit 7000 Personen heil über die weißblaue Bühne zu bringen.

Immerhin hat sich die bayerische Landesregierung inzwischen bereit erklärt, mit 1,3 Millionen Mark zur Finanzierung beizutragen, wenn die Bundesregierung die gleiche Summe zur Verfügung stellt. Dazu müßte sich jedoch zunächst der Bundeswirtschaftsminister mit seinem Kollegen aus dem Finanzressort einigen, um dann dem Haushaltsausschuß eine entsprechende Vorlage zur Verabschiedung zu empfehlen.

Sollten die Bonner Gelder daraufhin tatsächlich nach München fließen, droht bereits ein neuer Konflikt. Einige Fremdenverkehrsdirektoren aus Nord- und Westdeutschland ließen schon durchblicken, daß sie eine derart einseitige Förderung der bayerischen Landeshauptstadt aus Bundesmitteln nicht gerade begrüßen würden. Selbst der Landesfremdenverkehrsverband Bayern hat es abgelehnt, den Kongreß zu subventionieren.

Gleichgültig, wie das pekuniäre Gerangel auch ansehen mag, sicher ist nur, daß die Stadt München annähernd 3 Millionen Mark für den Kongreß aufbringen muß. Ein Großteil der Mittel scheint ohnehin verschwendet, denn von den insgesamt 7000 ASTA-Mitgliedern haben weniger als 2000 tatsächlich mit dem Tourismus von Amerika nach Deutschland zu tun. „Zum Teil werden da auf unsere Kosten sogar Leute anreisen, die als Repräsentanten anderer europäischer Ferienländer in den USA arbeiten“, moniert ein Fachmann. „Die bringen uns mit Sicherheit nicht einen einzigen Urlauber mehr!“

Und außerdem, so weiß man längst in der Touristikbranche, wird auf ASTA-Kongressen nicht unbedingt nur gearbeitet. Jens Asmussen