Den Verantwortlichen für das Protokoll des Carter-Besuches müßte noch nachträglich ein Stein vom Herzen fallen, wenn sie sich ausmalen, was noch alles hätte passieren können, zum Beispiel beim Besuch Carters in Berlin.

Die Idee, stammte eigentlich von demselben Public-Relations-Berater Carters – einem Gebrauchs-Lyriker, den das Weiße Haus der Zahnpasta-Werbung billig abgeworben hatte –, dem der Präsident den schönen Schlager: „Was immer sei Berlin bleibt frei“ verdankt. Nachdem Jimmy einen weiteren Einfall dieser Sorte: „Keine Mauer ist von Dauer“ verwerfen hatte, sagte der Präsident, er brauche noch etwas ganz Spektakuläres, etwas, was noch kein Präsident vor ihm getan habe. Wenn möglich, so einen großen Schritt für die Menschheit wie damals bei der ersten amerikanischen Mondlandung. Beim Stichwort „Mond“ durchzuckte es den PR-Berater, und eine fast geniale Idee erblickte das Licht der Welt. Vorerst behielt Carter sie aber sorgsam für sich.

In Gedanken ganz bei dem kommenden „town meeting“, hatte der Präsident seinen einsamen Beschluß beinahe verdrängt. Als er dann aber zehn Minuten lang über die eigens zu seinen Ehren weiß getünchte Mauer nach drüben auf eine Mondlandschaft blickte, fiel er ihm wieder ein.

Bevor er den Entschluß aber in die Tat umsetzte, wollte er erst den Kanzler informieren. Als nun Schmidt, in Gedanken ganz bei dem Brief Graf Lambsdorffs, erfuhr, was Carter vorhatte, schrak er doch leicht zusammen, obwohl er sich eigentlich vorgenommen hatte, sich nie wieder von Carter irritieren zu lassen. Carter wollte nämlich einen kleinen Abstecher nach Ostberlin unternehmen! Zwar bot der Kanzler seine besten Überredungskünste auf, um ihm diese Idee schon mit Rücksicht auf das Protokoll, wieder auszureden. Als er aber endlich einsehen mußte, daß sich der starrköpfige Präsident nicht zurückhalten ließ, meinte er nur resignierend, er könne Carter leider wieder mal nicht folgen. Der Präsident bedauerte beim Abschied, daß Amy nicht mit von der Partie sei und so sicher das Ereignis ihres Lebens versäume.

Dann fuhr Carter zum Check Point Charly, wo er auf sein durch Abkommen garantiertes Besuchsrecht pochen wollte. Als der diensthabende DDR-Grenzoffizier die Gruppe vor dem Schlagbaum zu Gesicht bekam, wurde er weiß wie die gekalkte Mauer und fragte dann den Präsidenten der Ordnung halber, wer er sei.

Breit lachend erwiderte Carter: „Der Kaiser von China“, und fügte hinzu, er wollte sich nur mal eben informieren, wie es bei den Boys drüben um die Menschenrechte bestellt sei. Nach einer Blitzkonferenzschaltung zwischen Honecker, Botschafter Abrassimow und dem Grenzoffizier wurde Carter schließlich hereingelassen.

Als er dann über den Alexanderplatz spazierte, fragte er einen einfachen Mann von der Straße, wo denn hier das nächste „Town-Meeting“ stattfinde, worauf der hohe Stasi-Offizier erwiderte, „town meetings“ fanden in der DDR nur jeweils am Mittwoch statt.