GHH ist kein Thema und wird auch keines sein." Toni Schmücker, Chef des VW-Konzerns, beantwortet die Frage, was denn daran sei an der kolportierten Absicht, er wolle sich Europas größten Maschinenbau-Konzern einverleiben, die Gutehoffnungshütte (GHH).

Freilich, wenn es auch nicht die GHH ist, ein Thema ist da schon. Vorderhand gibt ihm Schmücker den Namen "Akquisition" oder "Diversifikation". Und das heißt soviel wie: Die Volkswagenwerk AG will ein Unternehmen erwerben, das keine Autos produziert. Das, anders ausgedrückt, den Wolfsburgern auch dann Gewinne beschert, wenn die Autokonjunktur einmal nicht so läuft.

Schmückers Strategie ist so einfach wie einleuchtend. Und sie basiert auf mißlichen Erfahrungen. Schließlich ist der Konzern vor ein paar Jahren nicht zuletzt über seiner Monokultur, der totalen Abhängigkeit vom Käfer, sehr dicht an den Rand der Pleite geschliddert. Schließlich hat nicht zuletzt die radikale Verbreiterung des Modellangebots die strahlende Renaissance gebracht und das Risiko eines Rückfalls unwahrscheinlicher gemacht. Was liegt da näher, als durch eine erneute Verbreiterung das Risiko noch kleiner zu machen?

Zwar ist, laut Schmücker, "die Verwundbarkeit der alten Jahre" nicht mehr da; zwar "werden wir auch so einen relativ stetigen Weg machen". Aber die Vorstellung, nicht mehr allein von der Autokonjunktur abhängig zu sein, zumal die bei tendenziell immer satteren Märkten zumindest nach Meinung der Absatztheoretiker immer stärkere Ausschläge erleben wird, diese Vorstellung hat Schmücker in ihren Bann gezogen. So sagt er: "Wir suchen aktiv."

Den Wunsch-Partner vermuten die VW-Manager entweder im Maschinenbau oder in Elektrotechnik. Und es muß durchaus kein deutscher Gefährte sein. Hauptsache: gesund und wachstumsstark. Und von der Statur gibt es, so Schmücker, hierzulande "nicht mehr viele". Auf einen Sanierungsfall aber will er sich auf keinen Fall einlassen.

Wenn sich also in der Bundesrepublik niemand findet, dann, wenn überhaupt, in Westeuropa. "Spontan spricht zwar sehr viel für ein Engagement in den USA. Aber Führung und Kontrolle über den Ozean hinweg" erscheinen dem VW-Boß denn doch als zu kompliziert, zumal das Branchen-Terrain ja zunächst einmal ungewohnt wäre.

Ein anderes Problem dagegen ist für VW, das doch vor ein paar Jahren kaum mehr die Löhne bezahlen konnte, kein Problem: das Geld. Stattliche drei Milliarden Mark lagern, schnell verfügbar, in den Konzernkassen. Nur die Hälfte etwa wird fürs tägliche Geschäft gebraucht. Anderthalb Milliarden also stehen sofort zur Verfügung. Das ist fast soviel, wie den Börsianern gegenwärtig ganz BMW wert ist. Es läßt sich also mit dieser Summe schon einiges bewegen, in diesem Jahr wohl nicht mehr, im nächsten wäre es möglich.