Die Industrie will das heruntergewirtschaftete Unternehmen ihres Präsidenten retten

Nikolaus Fasolt scheint aus dem Schneider – in doppelter Hinsicht. Sein bröckelndes Fliesen-Werk – die Wessel GmbH – wird saniert und sein schwankend gewordener Präsidentenstuhl steht wieder auf festem Grund. Für Nikolaus Fasolt erfüllt sich damit der Spruch, den er kürzlich Kollegen seiner Couleur zurief: „Der Mensch hat immer wieder Gefahren zu bestehen gehabt und ist damit fertig geworden.“

Auf Nikolaus Fasolt waren in den letzten Wochen Gefahren zugekommen, die nicht von Pappe waren. Kaum für das höchste Amt der deutschen Industrie benannt, mußte Unternehmer Fasolt wegen Mißmanagement in seinem Unternehmen Massenentlassungen anmelden. Das war kein gutes Omen für den frischgebackenen BDI-Präsidenten, der im Unternehmer den „eigentlichen Neuerer in der Gesellschaft“ sieht.

Es kam dann noch schlimmer. Kaum war die ungesunde Lage seiner Firma offenbar geworden, wurde ruchbar, daß Nikolaus Fasolt die CDU mit Geld bedacht und diese Spende unter falschem Etikett als Betriebskosten von der Steuer abgesetzt hat. Vom Amtsgericht Bonn handelte er sich damit einen Strafbefehl über knapp 60 000 Mark ein.

Der Widerspruch von Wort und Wirklichkeit des Nikolaus Fasolt irritierte offenbar auch die BDI-Präsidialen, die den Bonner Unternehmer zum Nachfolger des ermordeten Hanns-Martin Schleyer bestimmt hatten. Vergrätzt wähnten einige Präsidialmitglieder bereits, Nikolaus Fasolt sei nicht länger tragbar im Spitzenamt der Deutschen Industrie. Doch dann erinnerten sie sich, wie sie vor Fasolts Wahl monatelang vergeblich landauf, landab nach einem Vertreter ihrer Interessen Ausschau gehalten hatten. Würde Fasolt zur Abdankung gedrängt, müßte sich das Nachfolge-Karussell abermals mit ungewissem Ausgang drehen.

Fazit: Fasolt behielt das Vertrauen seiner Präsidialen. Mehr noch. Man kam überein, den auch als Unternehmer angeschlagenen Mann nicht länger im Regen stehen zu lassen, und gab das Signal, hinter Fasolt stünden nicht nur die guten Worte der Industrie, sondern auch deren finanzielle Kraft, Der Unternehmer selbst ließ auf Anfrage ausrichten, Details würden noch geklärt, aber „von Sanierung kann keine Rede sein; Massenentlassungen gibt es auch nicht, statt dessen wird modernisiert“.

Sanierung oder nicht, ob der Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung ebenso ausgesetzt werden kann wie die Massenentlassung, steht noch dahin. Noch muß in öffentlicher Gerichtsverhandlung geklärt werden, ob die gravierenden Vorwürfe den Tatsachen standhalten. Der Vorwurf gegen Fasolt lautete: Er habe bei der Europäischen Unternehmensberatungs-Gesellschaft (EUB) in Vaduz/Liechtenstein minderwertige Gutachten gekauft und die Honorare als Betriebsausgaben deklariert. In Wirklichkeit aber habe es sich um eine fingierte Parteienspende gehandelt. Über die CDU-eigene EUB in Liechtenstein sei das Geld dann in die Kassen der CDU-eigenen Unionsbetriebs GmbH nach Bonn geflossen. In gleicher Sache ermitteln Staatsanwälte gegen rund 100 Unternehmen in der Bundesrepublik.