• Schon vor Wochen, hat der Einzelhandel mit Sonderverkäufen begönnen. Sind die Händler angesichts des schlechten Sommerwetters nervös geworden?

Hebbering: Das schlechte Wetter hat dem Textilhandel einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sommerkleidung ist nicht gut gegangen. Es ist richtig, daß in einigen Bereichen des Fachhandels Sonderangebote ein bedenkliches Ausmaß angenommen haben. • Werden die gesetzlich geregelten Schlußverkäufe und Sonderverkäufe, die nur bei Umbauten oder Ladenaufgabe gestattet sind, dadurch nicht sinnlos?

Hebbering: Sie haben recht, daß der Kunde durch diese Flut von Sonderangeboten irritiert wird und kaum noch versteht, daß der Handel modische Ware plötzlich mit derartig hohen Preisabschlägen verkaufen kann. Der Kunde muß dadurch den Eindruck bekommen, die Handelsspannen seien überhöht. Obwohl, wie Sie aus den Jahresabschlüssen der Warenhauskonzerne wissen, von hundert Mark Umsatz weniger als eine Mark Gewinn übrigbleibt.

  • Was soll eigentlich noch das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, das die Sonderverkäufe regelt, wenn sich doch niemand daran hält?

Hebbering: Die Regelung der Schlußverkäufe ist nur ein kleiner Teil der Vorschriften des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, das den Verbraucher gegen Übervorteilung schützen soll. Gerade bei Artikeln, deren Preis und Qualität der Verbraucher schwer, vergleichen kann – zum Beispiel bei Orientteppichen –, wird aber am häufigsten mit sogenannten Schluß- und Räumungsverkäufen auf die Unkenntnis des Verbrauchers spekuliert. Nur weil oft dagegen verstoßen wird, ist aber ein Gesetz nicht sinnlos. Ordnungsbehörden und Rechtsprechung sollten den Verstößen energischer nachgehen.

  • Reagiert der Verbraucher überhaupt noch auf diese fast permanenten Billigaktionen?

Hebbering: Zu dieser Frage kann ich wenig Erfahrung aus dem eigenen Unternehmen beisteuern. Da müßten Sie schon die Sünder selbst fragen, wie ihre Billigaktionen ankommen, Der Handel erweist sich jedenfalls keinen guten Dienst, wenn er den Eindruck erweckt, daß derjenige der Dumme ist, der regulär Ware kauft, Denn es muß einen Kunden verärgern, wenn er Ware, die er gestern gekauft hat, heute zum halben Preis bekommt.