Christine Föppl, Die Vollbeschäftigungsformel, Fischer Taschenbuch, 1978, 127 S., 4,80 DM

Vom kommenden Spätherbst an wollen die Gewerkschaften die Tarifpolitik in neue Bahnen lenken: „schrittweise“ hin zur 35-Stunden-Woche – ob mit Lohnverzicht, wie es Heinz O. Vetter vor zwei Jahren laut gedacht hat, mag man bezweifeln. Die Verhandlungsführer, aber auch alle interessierten Beobachter, sollten zuvor noch einen Blick in das Büchlein der Münchener Wirtschaftsjournalistin werfen: Gut lesbar und intelligent geschrieben, könnte es die an sich nützliche Diskussion über eine bessere Verteilung der Arbeit aus der von Ideologen der verschiedenen Lager eingezäunten Sackgasse herausführen. Christine Föppls „Vollbeschäftigungsformel“ ist im Grunde einfach. Die bisherigen Lohnrunden, die ohnedies nicht mehr so recht rund verlaufen, sollten durch „Zeitrunden“ abgelöst werden: Die Erhöhung der Arbeitsproduktivität sollte, statt wie bisher in Lohnsteigerungen, in zusätzlicher Freizeit „ausbezahlt“ werden. Die Folge: „Wenn keine Lohnerhöhungen stattfänden, wenn der Staat außerdem flankierende Maßnahmen durch Abschreibungen und Steuererleichterungen beschlösse, hätten die Unternehmen genug Luft, um die wegrationalisierten Arbeitsplätze durch neue zu ersetzen – und genau das müßten sie auch, wenn sie bei kürzerer Arbeitszeit die bestehende Nachfrage befriedigen wollten.“ pl