Hervorragend

Egberto Gismonti: „Sol Do Meio Dia“. Mit dieser Platte, so sagt der mit dem Großen Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnete Brasilianer, wolle er eine Schuld bei den Xingu-Indianern begleichen. Er hat längere Zeit bei ihnen im Amazonasdschungel gelebt und gelernt und dabei korrigiert, was ihm fünfzehn Konservatoriums-Jahre lang an akademischer Musik beigebracht worden ist. Nicht, daß er das nun alles hat vergessen wollen; er hat nur seine besondere Art weiter entwickelt, sich über die Rubriken des „Populären“ und des „Ernsten“ hinwegzusetzen und eine eigene Musik zu machen, die viele Züge trägt und gleichwohl ein Gesicht hat. Man erkennt Elemente der zeitgenössischen E-Musik und der indianischen Folklore, der Salon-Romantik wie des Jazz. Mit Gismonti spielen diesmal Jan Gabarek (Saxophon) und Ralph Towner (Gitarre) und zwei musikethnologisch versierte Perkussionisten (Nana Vascancelos und Collin Walcott). Man hört einem virtuosen, konzentrierten, poetischen Kammerkonzert zu. (ECM 1116) Manfred Sack

Richard Strauss: „Salome“. Eine Produktion des Karajan-Medienverbundes: zunächst die Tonaufnahme, dann die szenische Realisation bei den Salzburger Festspielen, jetzt die Platten auf dem Markt. Die Faszination geht von einem Dualismus aus: Vom ersten Einsatz des Narraboth (Wieslaw Ochman) bis in nahezu jede Phase der Salome (Hildegard Behrens) sind die Gesangslinien von ungewohnten „lyrischen“ Nuancen geprägt – und immer wieder reißen dramatische Gesten diese auf beinahe klassischem Bei canto angesetzten Vokalpartien auf. Auch das Orchester und selbst die Technik haben sich auf diesen Dualismus eingerichtet. Der Schmelz der alten Krauss-Aufnahme und die klangliche Schärfe bei Georg Solti sind hier gewissermaßen zusammengefaßt. (Leitung: Karajan; Electrola 1 C 165-02 908/09)

Heinz Josef Herbort

Schlicht

Bob Marley & The Wailers: „Kaya“. Womöglich sollte diese mit Abstand schlechteste Platte, die er je eingespielt hat, Bob Marley bei der Cola-Generation als den Superstar des „easy listening“ etablieren. Den im Reggae-Rhythmus arrangierten und mit Hallraumeffekten produzierten Schlagermelodien entspricht präzis die Banalität der Texte, die sich manchmal fast wie unfreiwilliger Nonsens oder eine Parodie auf seine früheren Lieder ausnehmen. Vom Rhythm & Blues, für die Reggae Music Anfang der sechziger Jahre die wohl wichtigste Inspirationsquelle, ist hier nichts mehr zu hören, die Produktion tendiert sogar in jeder Hinsicht zu simpelsten Disco-Klischees, auch wenn Marley allen Ernstes singt: „The power of philosophy floats thru my head.“ (Island, 25 821) Franz Schüler