Ohne Staatshilfe konnte der Bauriese Beton- und Monierbau nicht saniert werden

Von Kurt Wendt

In buchstäblich letzter Minute ist der Konkurs des Düsseldorfer Baukonzerns Beton- und Monierbau abgewendet worden. Dies wäre ohne Einschränkung zu begrüßen, wenn es dazu nicht einer weiteren Staatsbürgschaft von fünfzig Millionen Mark bedurft hätte. Schon zu Beginn dieses Jahres war Nordrhein-Westfalen mit einer Landesbürgschaft von hundert Millionen Mark in die Bresche gesprungen, um – wie es hieß – einen momentanen Liquiditätsengpaß überbrücken zu helfen.

Dazu sind in unserer Wirtschaftsordnung im allgemeinen die Kreditinstitute da. Wenn sie einer Gesellschaft ohne zusätzliche Sicherheiten kein Geld mehr geben wollen haben sie gute Gründe. Und bei Beton- und Monierbau gab es sie reichlich. Ohne Rücksicht auf die eigene, sehr schmale Kapitalbasis hatte die Gesellschaft forsch expandiert. Sie ist zum fünftgrößten deutschen Bauunternehmen geworden. Wie die meisten anderen großen Baugesellschaften, so suchte auch Beton- und Monierbau den Ausgleich für ihre im Inland mit Verlust abgeschlossenen Bauaufträge im Ausland. Daß dort Geld zu verdienen ist, zeigen die anderen großen Baukonzerne. Daß man sich aber auch Risiken einhandelt, demonstriert Beton- und Monierbau durch ihre Tochtergesellschaft in Nigeria, einem plötzlich durch Ölexporte reich gewordenen Land, mit dessen Zahlungsmoral es indessen nicht zum besten bestellt ist. Das Düsseldorfer Unternehmen hat gegenüber einer nigerianischen Regionalregierung eine unbestrittene Forderung von 120 Millionen Mark. Aber es kam bisher kein Geld aus Afrika.

Sicherlich ist das Einfrieren einer Forderung von 120 Millionen für eine Gesellschaft mit einem Eigenkapital von bisher rund 47 Millionen Mark nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Aber die Lücke wäre wohl finanzierbar gewesen, wenn sonst alles bei Beton- und Monierbau gestimmt hätte. Die Bilanzen der Gesellschaften lassen jedoch so manchen Schönheitsfehler erkennen. Bei der Krise ging es eben nicht allein um Liquidität, sondern auch um Rentabilität.

Die Landesbürgschaft bekam das Unternehmen "billig". Es gab lediglich einige Veränderungen im Vorstand, an die Spitze des Aufsichtsrates trat Ernst Wolf Mommsen, der sich auch schon anderen Ortes als Nothelfer bewährt hat. Schlimm war indessen, daß nicht schon damals die Aktionäre gezwungen worden sind, ihrerseits einen glaubhaften Sanierungsbeitrag zu leisten. Das wäre vor allem die Aufgabe des holländischen Großaktionärs Ogem gewesen, der Anfang 1977 44 Prozent des 25 Millionen Mark betragenden Grundkapitals von den Rütgerswerken übernommen hatte. Ogem beschränkte sich aber auf personellen Beistand, indem er drei eigene Leute in den Vorstand des deutschen Unternehmens entsandte.

Ohne kräftige Kapitalerhöhung keine Landesbürgschaft, hätte damals die Vorbedingung der nordrhein-westfälischen Landesregierung heißen müssen. Denn daß Beton- und Monierbau in dieser kritischen Situation dringend haftendes Kapital brauchte, lag auf der Hand.