In der vergangenen Woche hat die Südwestafrikanische Volksbefreiungsorganisation Swapo den westlichen Plänen für eine friedliche Regelung des Namibia-Konflikts zugestimmt. Dies ist nach dem Rückzug der Portugiesen aus ihren afrikanischen Kolonien die seit Jahren wichtigste Entwicklung im südlichen Afrika.

Fünfzehn Monate haben die fünf westlichen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, die USA, Großbritannien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und Kanada in zähen Verhandlungen mit den sogenannten Frontstaaten, der Swapo und Südafrika für die Annahme ihres Namibia-Planes geworben. Wenn die beiden Hauptkontrahenten, Pretoria und Swapo, jetzt nicht doch noch einen Vorwand finden, um ihre Zusage rückgäng zu machen, bahnt sich eine Entwicklung an, die weit über die Grenzen von Namibia hinaus Bedeutung hat.

Die Regelung des seit elf Jahren schwelenden Konflikts würde Auswirkungen haben:

  • auf Namibia und die politische Zukunft der seit 58 Jahren von Südafrika verwalteten ehemaligen deutschen Kolonie Südwest.
  • auf Rhodesien und die Chancen, dort doch noch eine international akzeptable Lösung zustande zu bringen;
  • auf Südafrika und den Versuch, eine Formel für ein friedliches und gerechtes Nebeneinander von Schwarz und Weiß zu finden;
  • auf die westliche, auch die deutsche, Afrikapolitik, der damit zum erstenmal ein überzeugender Durchbruch auf dem Schwarzen Kontinent gelungen wäre;
  • auf die Konfrontation zwischen Ost und West, die sich auch nach Afrika verlagert hat;
  • auf die Zukunft der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), die in dieser Woche ihre 15. Gipfelkonferenz in Khartum abhält.

Die beiden letzten kontroversen Punkte, die der Namibia-Regelung im Wege standen, waren die Frage der Stationierung südafrikanischer Truppen während der Übergangsphase und die Zugehörigkeit des Tiefwasserhafens Walfischbucht.

Punkt eins scheint geklärt zu sein: Die 20 000 in Namibia stationierten südafrikanischen Soldaten werden innerhalb von zwölf Wochen abgezogen, 1500 bleiben bis zur Unabhängigkeit in Oshivielo und Grootfontein stationiert. Die Swapo hatte die Verlegung der Garnisonen aus diesem Gebiet im Norden, der als ihre hauptsächliche Operationsbasis gilt, in den Süden verlangt. Pretoria lehnte dies aus Sicherheitsgründen ab.

Punkt zwei, Walfischbucht, könnte zu neuen Auseinandersetzungen und damit weiterem Zeitverlust führen. Diese ehemalige britische Enklave war nie Mandatsgebiet. Folglich weigert sich Pretoria, den Hafen einem unabhängigen Namibia zu überlassen. Premier Vorster gab unmißverständlich zu verstehen, daß er nur den Plan in seiner ursprünglichen Form, nicht aber weitere Nebenabsprachen akzeptieren werde. Eher sei er bereit, das Ganze platzen zu lassen.