Am eigenen Leibe spüren in diesen Wochen wieder viele Urlauber, wie eng der Luftraum über Europa, insbesondere auf den Luftstraßen zu den südlichen Ferienzentren, ist: Flugtouristen müssen sich bei Ab- und Rückflug auf teilweise erhebliche Verspätungen gefaßt machen.

In Frankfurt, auf dem geschäftigsten deutschen Flughafen, kommt es in den Spitzenzeiten zu Verzögerungen von einer Stunde, in Einzelfällen mußten Piloten bis zu drei Stunden auf die Startfreigabe warten. Besonders betroffen sind nach einer Auskunft der Bundesanstalt für Flugsicherung die Strecken nach Spanien, Portugal, Frankreich und Griechenland. Der Grund: Die gegenwärtige Luftüberwachungspraxis dieser Länder mit langwierigen Genehmigungsverfahren bringt den Flugplan durcheinander.

In Spanien, dem wichtigsten europäischen Flugtouristikland, wirken sich die Störungen jetzt zur Hauptsaison besonders negativ aus. Neu ist dies allerdings nicht. In den Sommermonaten sind die Routen zwischen Spanien und Deutschland immer überfüllt. Die daraus resultierenden Verspätungen schaffen nicht nur Verärgerung bei den Reisenden, sondern auch rote Zahlen bei den Fluggesellschaften. Allein Condor, die größte hiesige Charterlinie, hat deshalb jährlich Folgekosten von etwa zwei bis drei Millionen (Mark abzuschreiben.

Nicht erst in diesem Jahr machen sich Charterflieger und Reiseveranstalter Gedanken, wie man dem Übel abhelfen könne. Jetzt soll es aber ernst werden: Kürzlich fand eine erste Beratung statt, weitere Treffen mit spanischen und französischen Luftüberwachungs-Repräsentanten sollen folgen. Ziel dieser Bemühungen ist es, den Ferienflugplan zu entzerren. Im Sommer 1979 soll das Programm erstmals erprobt werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt soll beispielsweise möglichst schon ein zentraler Flugkoordinator, ähnlich wie in der Linienluftfahrt, die Charterflüge lenken und so die Kapazitäten der Ferienjets wie die der wichtigsten Urlaubsflughäfen besser aufeinander abstimmen, als dies derzeit noch geschieht. Dazu bedarf es naturgemäß auch detaillierter Verhandlungen mit den Regierungen, deren Lufträume überflogen werden.

Eine der entsprechenden Überlegungen geht dahin, die deutschen Charterjets auf den spanischen Flughäfen übernachten zu lassen, wie es ausländische Charterlinien bereits praktizieren. Die deutschen Linien holen ihre Maschinen abends, jeweils heim, auch um keine Mechaniker-Abteilungen auf den Flughäfen etablieren zu müssen. Wenn die Maschinen morgens nicht erst anfliegen müssen, können sie bereits früh die ersten Heimflüge antreten.

„Früh“ und das Pendant „spät“ sind aber auch die Reizworte aller sonstigen Pläne zur Vermeidung der Verspätungen. Die Luftlinien drängen darauf, daß die Reiseveranstalter ihren Kunden Flugtermine zu frühen Morgenstunden und zu späten Abendzeiten schmackhaft machen.