Nun läßt sich wohl nicht mehr drumherum reden: Bei den Betriebsratswahlen im Untertürkheimer Werk der Daimler-Benz AG ist nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Nach monatelangen Bemühungen schaffte es eine linke Gruppe im Betriebsrat, Einsicht in die Unterlagen der Wahl vom April dieses Jahres zu bekommen. Prompt förderte sie rund 1500 Wahlzettel zutage, die nicht nur eine von der Norm abweichende Farbtönung zeigten, sondern auch Kreuzchen für die IG-Metall-Liste, die offensichtlich von nur zwei Stiften stammten.

Selbst die Gewerkschaft, die Anfang Mai noch alle Gerüchte über Wahlmanipulation weit von sich wies und gegen ein Urteil des Stuttgarter Arbeitsgerichts, mit dem die Wahl für ungültig erklärt wurde, in die Revision ging, ergriff nun die Flucht nach vorn. Der Betriebsrat beschloß seinen Rücktritt, und die Ortsverwaltung Stuttgart stellte Strafantrag gegen Unbekannt.

Doch dabei sollte es die Gewerkschaft nicht bewenden lassen. Ihr würde es gut anstehen, wenn sie aus eigener Kraft den oder die Schuldigen – ob sie nun in ihren Reihen zu finden sind oder nicht – ausfindig machen würde. Sonst bleibt ein Fleck auf der weißen Weste. ms