Was als Alternative zu den „etablierten Parteien“ gedacht war, bedarf noch des Brutkastens: Herbert Gruhls „Grüne Aktion Zukunft“ (GAZ).

Fürs erste hat sich der bisherige CDU-Bundestagsabgeordnete Herbert Gruhl mit der raschen Gründung seiner „Grünen Aktion Zukunft“ (GAZ) keinen Gefallen getan. Nicht nur die etablierten Parteien äußern sich, trotz mancher auffallend vorsichtigen Töne, über die neue Konkurrentin mehr geringschätzig als besorgt. Auch die Zusammenschlüsse der Bürgerinitiativen und Umweltschützer reagieren skeptisch bis ablehnend, weil sie von Gruhls Aktion offenkundig überrascht worden sind und von einer regelrechten, neuen Partei, die überdies „von oben“ organisiert würde, wenig halten.

Als Folge haben Gruhls Bemühungen, die GAZ als Sammlungsbewegung sofort auszudehnen, zunächst Schiffbruch erlitten. Sowohl in Bayern als auch in Hessen mußte die Gründung eines Landesverbands, der auch die bisherigen „Grünen Listen“ einbeziehen sollte, vertagt werden; in Nordrhein-Westfalen will man darüber Ende August sprechen. Entgegen ursprünglichen Ankündigungen wird sich die GAZ in Hessen noch nicht zur Wahl stellen. Auch Hermann Fredersdorf, der seine Steuerpartei wenn überhaupt, dann erst im Sommer nächsten Jahres gründen will, zeigt sich eher reserviert.

Die GAZ war in der vergangenen Woche in Bonn ins Leben gerufen worden. Außer Groll gehören zu ihrem Vorstand der Leier der Bochumer Volkssternwarte, Heinz Kaminski, der – wie Gruhl aus der CDU – anläßlich der GAZ-Gründung aus der SPD ausgetreten ist, und der als Kernkraftgegner bekannt gewordene Münsteraner Physiker Professor Wuster. Kernpunkt des GAZ-Programms ist die Ablösung der „Wachstumsideologie“ durch eine mit den Naturgesetzen in Übereinstimmung gebrachte „Wirtschaft des dynamischen Gleichgewichts“. C.-Chr. K.