Langweilig“ habe er bisher Tschaikowskijs Märchenballett „Dornröschen“ gefunden,und er habe sich „bis zuletzt gewehrt“, die Ausstattung für John Neumeiers Inszenierung zu übernehmen, gestand der Bühnenbildner Jürgen Rose in einer Hamburger Zeitung. Das Ergebnis ist danach. Obwohl Neumeier auch seine dritte Tschaikowskij-Produktion für die Hamburger Staatsoper nach „Nußknacker“ und „Schwanensee“ neu und eigenwillig als Traumspiel arrangiert, geht von der Bühne während lang und länger werdender vier Stunden jene einlullende Wirkung aus, der die Rosenprinzessin hinter ihrer Dornenhecke für hundert Jahre erliegt. An den 306 Kostümen, die bei dieser musikalisch umrahmten Modenschau vorgeführt werden, ahnt man ja noch, wo die 600 Tausend Mark geblieben sein könnten, die allein die Ausstattung verschlungen hat, nicht mehr aber bei den wenig inspirierten Bühnenbildem: Sie verdunkeln oft die Szene, ziehen minutenlang Schleiervorhänge mit aufgemalten Dornenhecken wie ein Stacheldrahtverhau vor die Tänzer. Neun Bilder lang schleudert ein junger Mann in T-Shirt und Blue Jeans als moderner Märchenprinz zwischen Tutu-Mädchen und Frack-Männern, ehe er sich für die beiden: Schlußbilder auch in Schale werfen und mithüpfen darf. Wieder folgt Neumeier seiner modischen Obsession vom Theater auf dem Theater, inszeniert ein Ballet über Ballett: Ein Prinz hat sich im Wald verlaufen, träumt die ganze mythische Allegorie vom Sieg der Liebe über das Böse und erwacht am Ende neben einem Mädchen auf der Parkbank. Die Gegenüberstellung von moderner Tanzsprache und Petipas traditioneller Choreographie erzeugt keine Spannung. Solche Träumereien mögen für Neumeier Bedeutung haben, nicht für das Tanztheater dieser Jahre. R. M.