Von Manuela Reichart

In der ersten Juliwoche wurde in Klagenfurt der Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen, an Ulrich Plenzdorf aus der DDR (ZEIT Nr. 28, 7. 7. 1978). Unter den 25 Autoren (davon 12 Frauen), die dort neue Texte lasen, war Hannelies Taschau. Ihre Erzählung „Mein Körper warnt mich vor jedem Wort“ reagiert auf die Tode in Stammheim – und darauf, daß angesichts des Terrorismus viele in diesem Land die Fähigkeit zu trauern (wieder oder immer noch?) eingebüßt haben. „Sie gibt die oft vorschnell eingeordneten Ereignisse um Stammheim dem menschlichen Erleben, der Betroffenheit zurück“, fand der Schweizer Juror Adolf Muschg. Auch die meisten anderen Preisrichter waren von dieser literarischen Auseinandersetzung mit dem Terrorismus beeindruckt, lobten Hannelies Taschau – und gaben den Preis Ulrich Plenzdorf.

Plenzdorf „verdient“ den Preis; und doch bleiben nach diesem Votum Fragen offen: Plenzdorfs prämiierte Erzählung ist nicht weniger „politisch“, sie ist nur „weiter weg“; sie überzeugt ohne Gefahr. Haben die Juroren recht, die Hannelies Taschau vorwarfen, sie betreibe mit Sensibilität die Mythologisierung von Gewalt? Wer die Reaktionen auf Gewalt und Gewalttätigkeit als ebenso bedrohliche Gewalt beschreibt, mythologisiert also schon die Gewalt schlechthin? Sind politische Schriftsteller in diesem Literatur-Land nicht gefragt, außer sie schrieben über Gewalt anderswo?

Anders als ihre Juroren hat es Hannelies Taschau indessen schwer, auch da, wo sie über die Grenze hinweg schreibt, die eigene Betroffenheit hinter der ruhigen Betrachtung aus der Ferne zu verstecken.

Aufforderung an die GRANDE NATION, den zu

Köpfenden auf

den Rücken zu legen: