Die Bestimmung, daß die Frau den Familiennamen des Mannes erhält, istnatürliche Folge der Innigkeit und der das ganze Leben umfassenden Bedeutung der ehelichen Gemeinschaft und bringt dieselbe nach außen hin zur Erscheinung.“ So steht es in einem Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch von 1908.

Siebzig Jahre später hat sich noch nichts Wesentliches geändert. Kaum ein Mann will „Schulze, geborener Schmidt“ heißen. Zwar hat der Gesetzgeber vor zwei Jahren, am 1. Juli 1976, heiratswilligen Paaren die Möglichkeit eingeräumt, bei der Eheschließung als Familiennamen auch den Namen der Frau zu wählen; auch darf seitdem jede Frau ihren Geburtsnamen behalten, indem sie ihn dem neuen Familiennamen voranstellt. Aber kaum jemand macht davon Gebrauch.

Die geringe Popularität der „Gesetzesnovelle zum Bürgerlichen Gesetzbuch, 4. Buch Familienrecht, 1. Abschnitt: Bürgerliche Ehe“ läßt sich schon jetzt, nach zwei Jahren, aus den Statistiken der Standesämter ersehen: Von den rund 5600 Paaren, die 1977 in Köln eine Ehe schlossen, haben nur 85 die neue Möglichkeit genutzt – genau 13 von Hundert. In diesem Jahr waren es bisher von 2400 Ehen nur 26, etwa ein Prozent. Standesamt Aachen: „Bei uns weit weniger als ein Prozent.“ Standesamt München: „In 1977 rund 1,5 von Hundert...“ Standesamt Frankfurt: „Rund ein Prozent...“

Diese Ergebnisse sind nach Meinung von Psychologen in tief verwurzelten Vorurteilen und Ängsten begründet. Die Diplom-Psychologin Dorothea Briol-Eyssel: „Ein Herr Schulze, geborener Schmidt, fühlt sich lächerlich gemacht. Denn er verbindet mit dem Aufgeben des eigenen Namens einen Verzicht auf Dominanz und Identität.“

Doch ist dies nicht der einzige Grund für das hartnäckige Festhalten an der herkömmlichen patriarchalischen Regelung: Der „Mann mit Mädchenname“ ist und bleibt die Ausnahme; dafür sorgt schon der Wortlaut des Gesetzestextes. Das Gesetz war vielleicht emanzipatorisch gemeint; bei genauerer Betrachtung erweist es sich als halbherzig formuliert. In Paragraph 1355, Abs. 1 BGB heißt es: „Zum Ehenamen können die Ehegatten ... den Geburtsnamen des Mannes oder den Geburtsnamen der Frau bestimmen. Treffen sie keine Bestimmung, so ist der Ehename der Geburtsname des Mannes.“

Hier liegt der Hase im Pfeffer, denn Regel bleibt weiterhin: Der Name des Mannes wird automatisch Ehename; soll der Frauenname für beide gelten, müssen die Partner das ausdrücklich vereinbaren.

Wie die Erfahrung der Standesämter beweist, setzt ein solcher Schritt fast immer handfeste Gründe voraus: Der Mann ist im allgemeinen nur dann bereit, sich von seinem Namen zu trennen, wenn der für die Zukünftige völlig unzumutbar ist. Wer will schon Frau Kotzfleisch heißen?

Gern tauschen Männer jedoch Bürgerliches gegen Adeliges ein. Hier bietet das Gesetz auch die Möglichkeit zu kuriosen Namensschöpfungen, wie unlängst in Köln geschehen: Da ehelicht Herr Kaiser die Baronin von Hohenstein. Das Paar entscheidet sich für den adligen Namen, jedoch will Herr Kaiser auf seinen Geburtsnamen nicht versuchten. Das Gesetz macht’s möglich: Herr Kaiser verließ das Standesamt als „Kaiser von Hohenstein“. Sabine Jacobs