Mehrere Monate lang war Ruhe in die spanischen Provinzen eingekehrt; seit einer Woche gärt es wieder in Nordspanien. Doch diesmal gehen die Unruhen nicht auf das Konto einer radikalen ETA-Minderheit, die von ihrem anachronistischen Traum eines eigenen Staates sozialistischer Prägung nicht lassen will. Diesmal schlug als erste die Polizei zu – brutal, grundlos und dumm. Kurz vor der Ablösung durch eine baskische Polizeitruppe scheint sie es noch einmal darauf anzulegen, ihren schlechten Ruf zu beweisen.

Die Verantwortlichen stehen ratlos vor diesem Ausbruch von Gewalt. Und furchtsam. Denn beliebt war die Polizei im Baskenland nie; zu lange hatte sie sich dort als Besatzungstruppe des ungeliebten Madrid aufgeführt. Trotzdem lehnten die meisten Bewohner des Baskenlandes die Forderung der ETA ab, gerade die Uniformierten zu jagen und zu töten. Es wäre verhängnisvoll, wenn sich das jetzt ändern sollte.

Madrid hat das einzig Vernünftige getan und in diesen spannungsgeladenen Tagen den Basken größere Selbstverwaltungsrechte übertragen. Die Mehrheit in den drei Nordprovinzen muß endlich selber der unverantwortlichen Minderheit das Handwerk legen. Den friedlichen Übergang zur Demokratie dürfen weder Hitzköpfe noch amoklaufende Uniformierte gefährden. Auch Madrid muß hart durchgreifen. Es wäre eine unglückliche Fügung, wenn aus gemeinsamen Nöten mehr Gemeinsamkeit entstünde. H. B.