Wer aus dem Urlaub heimkehrt, will braungebrannt aussehen. Braun wird, wer sich bei gutem Wetter im Freien aufhält. Also ist die getönte Haut ein Dokument, das man den Freunden und Kollegen daheim präsentiert, damit sie darin lesen: „Seht her, ich habe es einmal wieder richtig gemacht, tolle Ferien im Sonnenschein.“

Dieses Mitbringsel aber verliert mehr und mehr an Originalität. Denn zunehmend wird der sonnensichere Süden für den Billigtourismus erschlossen. Mithin ist schlichte Bronzehaut längst nichts Außergewöhnliches mehr – kaffeebraun ist das mindeste, und mit jedem Jahr versucht man, um noch eine Schattierung dunkler zu werden. Mit der Haut halten wir es wie mit der Kleidung. Die Mode diktiert ihr Aussehen, und je mehr Leute sich die Modefarbe leisten können, desto erstrebenswerter wird die Extravaganz, die Übertreibung.

Das ist keineswegs neu. Immer’schon hat die Mode vorgeschrieben, welche Haut zu tragen sei. Zu Beginn unseres Jahrhunderts war Braun nur für Jünglinge schicklich. Mädchen, Frauen und reife Männer hatten hell auszusehen. Dunkle Gesichter hatten die Landarbeiter, an dunklen Händen erkannte man das arbeitende Volk – deshalb gehörten Handschuhe zur Offiziersuniform. Der Herrenreiter schützte sein Gesicht vor den Sonnenstrahlen mit einem großen Schirm an der Mütze.

Zur Zeit der Romantik wollte selbst der jugendliche Held bleich aussehen, weshalb sich Junker, die bei der Jagd der Sonne nicht entgehen konnten, das Gesicht weiß puderten. Frauen sollten auch im alten Ägypten blaß sein. Hier aber schrieb die Mode den Männern, auch denen der hohen Stände, offenbar dunkle Haut vor. Denn auf altägyptischen Bildern sind die Männer rotbraun und die Frauen hell dargestellt.

Mode ist meistens teuer. Unsere gegenwärtige Hautmode aber bezahlen wir nicht nur mit Geld, sondern vor allem mit der Gesundheit. Zwar sagen wir zum schokoladenbraunen Ferienheimkehrer, er sähe „gut erholt“ aus. Doch weiß jeder, daß gerade so einer seine Urlaubszeit meistens mehr im Streß als in der Entspannung zugebracht hat, nämlich bewegungslos auf dem Liegestuhl oder am Strand auf ein Handtuch hingestreckt, in der prallen Sonne. Erholen muß er sich davon am Arbeitsplatz – Nacherholung nennt das der Arzt.

Doch nicht nur Bewegungsmangel und Hitze haben dem vermeintlich gut Erholten zugesetzt. Er hat systematisch seine Haut geschädigt, ihre Alterung beschleunigt und sogar eine Krebsgefahr heraufbeschworen.

Ist denn Sonne nicht gesund? Brauchen nicht gerade wir in den Breiten, in denen sie eher dürftig scheint, wenigstens einmal im Jahr eine kräftige Bestrahlung, eine Lichtkur sozusagen? Hilft nicht die Sonne gegen allerlei Krankheiten, macht sie uns nicht widerstandsfähiger gegen Infektionen?