Eine „infektiöse Wirkung“ der amerikanischen Lufttarifpolitik auf die Flugpreise in Europa befürchtet die Lufthansa. Deren Vorstandsvorsitzender Dr. Herbert Culmann will nicht ausschließen, daß der Preiskampf über dem Nordatlantik und in den USA auch auf die Routen innerhalb Europas übergreift.

Europa ist das Rückgrat der Linien“, meinte der Lufthansa-Chef. Ohne; die Einnahmen auf diesen Strecken gerieten die Linien zwangsläufig in die roten Zahlen. Denn die innerdeutschen Verbindungen seien trotz der hohen Preise verlustbringend, und „auf den Langstrecken ist kein Blumentopf zu gewinnen“. Culmann hofft auf eine „IATA der Vernünftigen“, ein Kartell von Luftlinien, die nicht allein aus Wettbewerbsgründen ihre profitablen Strecken „kaputtmachen“.

Einen interessanten Aspekt birgt auch die Stellungnahme der deutschen Linie zu den gegenwärtigen Luftverkehrsverhandlungen zwischen der amerikanischen und deutschen Regierung. Wunsch der Amerikaner ist es, wie bei den Vereinbarungen mit Großbritannien und den Niederlanden, billige Tarife zwischen beiden Staaten zuzulassen. Die Lufthansa plädiert hingegen für eine Beibehaltung der hohen, meist von Geschäftsleuten entrichteten Basistarife. Bislang war nicht klar, ob die Bundesregierung den Lufthansa-Wünschen entsprechen werde.

Die jüngste Lufthansa-Erklärung zeichnet nun eine mögliche Verbandlungslinie vor: „In dem laufenden Konsultationsverfahren wird sich im übrigen erweisen, ob die USA in Sachen freier Wettbewerb bereit sind, Farbe zu bekennen. Die USA genießen seit bald 30 Jahren in der Bundesrepublik Luftverkehrsrechte, von denen die Lufthansa in den USA bisher nur träumen durfte.“