Berlin: „Katalanische Kunst des 20. Jahrhunderts“

Kulturelle Minderheiten, so beschloß die West-Berliner Kulturverwaltung, sollen sich künftig im kulturarmen Sommer präsentieren dürfen, um diesen imagefördernd für die Stadt zu beleben. Man begann in diesem Jahr mit der Präsentation katalanischer Kunst, mit der Vorstellung jener kulturellen und nationalen Minderheiten, die seit Jahrhunderten unterdrückt wird, der man die eigene Sprache offiziell verbot und die erst seit Francos Tod Chancen auf Autonomie kennt. Dieser Kulturkreis, der sich hierzulande eher als Touristenziel Bekanntheit verschaffte, stellt sich zur Zeit also in zwei „katalanischen Wochen“ mit seiner Kunst, Musik, Literatur und seinem Theater vor. Die gesamte Veranstaltung, so kann man jetzt schon sagen, scheint sich zum Erfolg zu mausern, so daß so schwer nicht wiegt, daß das eigentliche Hauptstück, eine Ausstellung „Katalanische Kunst des 20. Jahrhunderts“ nicht so recht gelang. Die Ausstellung ist zwar sehr schön inszeniert, doch dieses Arrangement kann über inhaltliche Mängel nicht hinwegtäuschen. So präsentiert man zu Recht den Architekten Gaudi mit einigen seiner Entwürfe, man zeigt Miró en masse, auch viele, mitunter sehr schöne Arbeiten von Tapies, dann auch einen selten gesehenen „Harlekin“ von Picasso (1917) und einen unüblichen Dali, eine Material-Collage, die dem synthetischen Kubismus verpflichtet ist. Aus der Generation der jüngeren Künstler freilich wären allenfalls Juan Genoves und die Equipo Cronica erwähnenswert. Der Rest bemüht sich um die Demonstration einer Internationalität, die die Kunstszene weltweit beherrscht, und damit verweigert man uns die Auskunft darüber, was denn nun eigentlich die spezielle Eigenart der katalanischen Kunst sei – das aber war doch wohl der Anlaß der Ausstellung, oder? (Staatliche Kunsthalle Berlin bis zum 23. August, ein Katalog ist angekündigt.) Daghild Bartels

München: „Amerikanische Landschaftsphotographie“

Vorurteilslose Annäherung an den Gegenstand aus der Distanz, Schilderung des Großartigen (und der Einsamkeit) ohne romantische Verklärung – für Photographen von heute sind dieses wesentliche Elemente des Amerikanischen in der Landschaftsphotographie. Sie verweisen dabei auf eine Tradition, die im vergangenen Jahrhundert von Carleton Watkins, Timothy O’Sullivan, Eadweard Muybridge, William Henry Jackson und anderen begründet und von Ansel Adams, Walker Evans und Edward Westen in den dreißiger und vierziger Jahren glanzvoll erneuert worden ist (Edward Steichens malerische Landschaftsschilderung, . europäisch beeinflußte Kunstphotographie, fällt aus dieser Tradition heraus). Ansel Adams hat in grandiosen Aufnahmen das Bild der unzerstörten, unzerstörbaren Natur festgehalten – er ist der bewunderte Klassiker von gestern. Bei Weston, vor allem aber bei Evans (der in der ansonsten hervorragend zusammengestellten Übersicht leider fehlt), erhielt die Landschaft eine soziale Dimension, sie zeigte Spuren entfremdeter menschlicher Arbeit. Hier knüpfen die heutigen Photographen an. William Christenberry (Jahrgang 1936), Stephen Shore (1947), beide berufen sich ausdrücklich auf Evans, William Eggleston (1939), auch manche Vertreter der älteren Generation, sehen die Landschaft mit ökologisch geschärftem Blick: Natur als erodierendes Verbrauchsprodukt (Neue Sammlung, bis zum 13. August; Katalog 26 Mark)

Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen

Baden-Baden: „Maillol“ (Kunsthalle bis 3. September, Katalog 25 Mark)