Der Ausgang des Bonner Wirtschaftsgipfels hat die Aktienkurse erneut in Bewegung gebracht. In erster Linie wegen der Zusage des Bundeskanzlers, weitere 13 Milliarden zur Konjunkturbelebung zur Verfügung zu stellen. Auch wenn noch niemand weiß, wen dieser Segen treffen wird, so reicht die Aussicht auf diese Maßnahme aus, um im In- und Ausland weiteres Geld für deutsche Aktien lockerzumachen.

Die desolaten Verhältnisse auf dem Rentenmarkt werden zur Zeit einfach verdrängt. Vielleicht ist der dort erfolgte Renditenanstieg aber für die Labilität der Versorgungsaktien – insbesondere von RWE – verantwortlich zu machen, die seinerzeit aus Renditegründen erworben worden waren. Aber das sind reine Vermutungen. Ebensogut kann es sein, daß Großanleger diese Papiere jetzt für ausgereizt halten und in Aktien umsteigen, bei denen noch Kursreserven vermutet werden.

In den Vordergrund gerückt sind dabei die Warenhaus-Aktien. Sie würden von einer Steuersenkung – so ist die Theorie – am ehesten profitieren. Aber wohl auch die Auto-Konzerne, die auf eine Untermauerung ihres hohen Absatzes rechnen können. Nutznießer sind im wesentlichen aber nur BMW- und natürlich vor allem VW-Aktien, die täglich in zweistelligen Millionenposten die Besitzer wechseln. Für Daimler ist das Börseninteresse merkwürdig gering. Vielleicht wegen des optisch hohen Kurses.

Kurssprünge gab es auch bei den Maschinenbau-Aktien. Dies wohl im Hinblick auf die Aussicht auf steigende Inlandsaufträge als Folge der Konjunkturförderung. Bei den Bau-Aktien hat sich der Anstieg dagegen deutlich verlangsamt. Nach den Kurssprüngen der letzten Wochen ist hier eine Konsolidierungspause auch wohl angebracht. Große Schwankungen gab es noch bei Beton + Monier, ein Papier, das spekulativ stark bewegt wird.

Bank-Aktien traten trotz der schon vorliegenden und noch zu erwartenden guten Zwischenberichte in den Hintergrund. Die Aktien der Deutschen Bank haben auf die Ankündigung der Kapitalerhöhung im Verhältnis 12:1 zum Preis von 400 Prozent kaum reagiert. Unter den gegenwärtigen Umständen dürften die 320 Millionen Mark, die von den Aktionären gefordert werden, keine Börsenbelastung darstellen. K.W.