Junge Leute diskutieren über Urlaubspläne

Für einen aktiven Urlaub braucht man außer Initiative nicht mehr als ein Zelt, einen fahrbaren Untersatz, notfalls reicht ein Fahrrad, etwas Geld und ein paar Leute, die mitmachen – günstigenfalls gute Freunde. Alles weitere sollte nicht vorausgeplant, sondern spontan und den Umständen entsprechend an Ort und Stelle beschlossen werden. Jeder hängt von jedem ab, alles von allem – und von Unternehmungsgeist und Einfallsreichtum. So wird jedes Unternehmen zum gemeinsamen Erlebnis: man kommt sich näher, lernt sich selbst und die anderen in völlig ungewohnten Situationen kennen. Was dagegen bringt ein Sommersonnen-Luxusurlaub mit allem Komfort? Hauptsächlich Langeweile. Denn wer kann schon behaupten, daß er rein körperliche Erholung braucht? Was ein Urlaub tatsächlich bieten sollte, ist heutzutage psychische Aufarbeitung – und die kann nur durch engen menschlichen Kontakt gewährleistet werden, nicht durch Happy-Holiday-Begegnungen an kunstpalmengeschmückten Terrassenbars von Massenhotels. Uschi Kurort, 17 Jahre

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Urlaub ist Freizeit in geballtem Maße, Zeit zum Ausspannen, Zeit zum Leben ohne Hektik. Trotzdem ist Urlaub für mich keine Ausnahmesituation. Es ist nicht die Zeit, in der keine Regeln mehr gelten, die Zeit, in der „etwas passieren“ muß, „etwas losgemacht“ wird. Vielmehr ist Urlaub ein Freiraum, in dem ich intensiv leben und versuchen kann, meine Vorstellungen von Leben, Erfahren, Erleben ohne Leistungsdruck, Hast und Streß zu verwirklichen. Urlaub kann heißen, neue Länder, neue Straßen, neue Menschen, neue Wälder, neue Seen kennenzulernen, oder auch einfach in Ruhe über Kennengelerntes nachdenken, verarbeiten, sich entspannen. Urlaub kann für mich heißen Sport oder Faulenzen, zu Hause bleiben, von einem Ort zum anderen reisen – je nachdem, wozu ich Lust verspüre.

L. Schweizer, 19 Jahre

* „Für die meisten Menschen bedeutet Urlaub abspannen, drei Wochen in der Sonne Urlaub drei Wochen deutsches Essen, deutsches Bier, deutsche Landsleute – alles im Pauschalpreis inbegriffen. Dagegen steht eine Gruppe von Leuten, die sich dieser Vermarktung entzieht. Für sie bedeutet Urlaub „unterwegs sein“ und daß man Liebe und Vertrauen mit ins fremde Land bringt und mit Vorurteilen nicht belastet ist. Es bedeutet eine Auseinandersetzung mit der Kultur, der Sprache, der Kunst, der Literatur und Auseinandersetzung mit der Landschaft – „Landschaft als Zustand der Seele“ – und nicht zuletzt eine direkte Kommunikation mir den Bewohnern. Zu diesen Kriterien ist das „Reisen ohne Buchung“ hinzuzufügen, eben eine nicht programmierte Reise, das heißt: nicht wissen, wo man am nächsten Tag schläft, wo man am nächsten Tag anlangt, wen man trifft. Es ist eine Art von Freiheit.

Heinz 7. Hanisch, 19 Jahre