Ein Thema in zwei Variationen beherrschte die zweitägige Nahost-Konferenz des ägyptischen und israelischen Außenministers, das Thema Sicherheit.

Variation Nummer eins: Weil die britische Regierung Anschläge palästinensischer Terroristen befürchtete, war das Treffen kurzfristig vom Londoner Churchill-Hotel in das mittelalterliche Wasserschloß Leeds, siebzig Kilometer südöstlich der Hauptstadt, verlegt worden, Von dort gibt es nur eine Telephonleitung. Mit Panzerwagen, Armee-Einheiten und Polizei-Hundertschaften war das unzugängliche Schloß in der Grafschaft Kent hermetisch abgeriegelt.

Variation Nummer zwei: Israels Sicherheit gegenüber möglichen arabischen Angriffen war der Angelpunkt der Außenminister-Beratungen, die auf amerikanisches Drängen hin die seit Januar abgebrochenen direkten israelisch-ägyptischen Verhandlungen fortsetzen sollten. Dabei hält die Regierung Begin mit Dajan als Fürsprecher, an der Direktive fest: Sicherheit an Israels Ostgrenze verbürgt allein Israels militärische Souveränität über Westjordanien (Judäa und Samaria). Nach Jerusalemer Lesart schließt dieser unverzichtbare Anspruch auch jede künftige staatliche Organisation der Palästinenser in diesen besetzten Gebieten aus.

Für Kairo stellt sich Israels Sicherheitsproblem völlig anders dar. Danach ist Jerusalem, wie es Präsident Sadat in seinem letzten Plan und in Gesprächen mit dem israelischen Verteidigungsminister Weizman und Oppositionsführer Peres wiederholte, gemäß UN-Resolution zum Rückzug auf die Grenzen von 1967 verpflichtet. Erst nach einem zeitlich und räumlich abgestuften Abzug sollen Sicherheitsregelungen getroffen werden.

Angeblich ist Sadat, wie das Gespräch mit Weizman ergab, zu zwei Zugeständnissen bereit, die allerdings auch mit Jordanien noch ausgehandelt werden müssen:

  • Die palästinensische Befreiungsfront soll nicht zu den späteren Verhandlungen hinzugezogen werden.
  • Westjordanien soll kein PLO-Staat werden.

Der ägyptische Präsident hatte am Vorabend des Außenminister-Treffens noch einen weiteren Annäherungsschritt geabend Im Sinai solle sich Israel zum Beweis seiner Kompromißbereitschaft vorläufig auf die Mittellinie El Arish/Sharm el Sheich zurückziehen. Dajan dagegen hatte vor der Zusammenkunft angekündigt: Ihm geht es vor allem um die Vorbereitung eines neuen Gipfelgesprächs zwischen Sadat und Begin. Jerusalem befürchtet, daß ein Scheitern des Friedensprozesses die Amerikaner mit einem eigenen Konzept auf den Plan rufen wird. Und es argwöhnt, daß dies ein „pro-arabisches“ Konzept wäre.

D. St.