War überhaupt was? Schon kann man nicht mehr glauben, daß in Bonn so etwas wie ein Weltwirtschaftsgipfel stattgefunden hat. Ist es denn wahr, daß noch vor dreimal vierundzwanzig Stunden Staatskonvois ohne Zahl durch das Bundesviertel brausten, daß es dort mehr Polizisten als Häuser gab, daß die Luft vom Hubschraubergedröhn zitterte und die politischen Quartiere vor wuseliger Emsigkeit schier barsten?

Nichts mehr davon. Über Nacht ist in der Bundeskapitale endgültig der Sommerschlaf eingezogen. Der allein für die deutsche Seite im rund 1000 Beamte, Referenten, Zuträger und Helfer geschätzte Troß, der, zähneknirschend, bis zur Konferenz ausharrte, ist auf der Stelle in die Ferien enteilt. Von einem Tag auf den anderen liegt Bonn so still und verlassen da wie die Kulisse eines längst abgedrehten Films.

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Doch so schnell die äußerlichen Spuren des Treffens der Weltweisen verschwunden sind, ein buchstäblich steinernes Zeichen verspricht es zu hinterlassen. Vielleicht schon Ende dieses Monats wird klar sein, ob der Bund das Hotel Petersberg hoch über dem Rhein sein eigen nennen kann oder nicht.

Bauminister Haack will alsbald Nägel mit Köpfen machen, nachdem sich das Bundeskabinett, besonders auf Betreiben von Außenminister Genscher, endlich dazu durchgerungen hat, die 1914 eingeweihte und bereits zu mancherlei politischen Zwecken benutzte Nobelherberge als Gästehaus anzukaufen. Die peinliche Verlegenheit um repräsentative Quartiere hat über die Hürde der Sparsamkeit hinweggeholfen.

Allerdings, das 72-Zimmer-Hotel liegt mangels Rentabilität seit Jahr und Tag still. Also geht es nicht nur um die Kosten des Erwerbs, sondern auch der Renovierung. Verlangen die Besitzer, die Erbengemeinschaft der Kölner 4711-Duftwasser-Familie Mülhens, bisher 20 Millionen Mark als bloßen Kaufpreis, so hat der Bund das Pokerspiel mit einem Angebot von zwölf Millionen eröffnet. Und die Erneuerungskosten stehen noch ganz in den Sternen. Mit atemberaubender Flexibilität war erst von 130, dann nur von 40 Millionen die Rede. Wenn sich am Ende Kauf und Renovierung zu einem 100-Millionen-Ding summierten, wäre das nach allgemeiner Bonner Lebenserfahrung kein Wunder.

Ruhe herrscht in der Bundeshauptstadt auch auf einem ganz anderen Gebiet. Seit dem vergangenen Samstag ist auf jener besonderen Welle, mit deren Hilfe aus dem Keller des Innenministeriums heraus ein Teil der Bonner Dienstwagen-Flottille gelenkt wurde, völlige Funkstille eingekehrt. Weil sich weder die hauptstädtischen Bürokraten noch ihre Chauffeure dirigieren lassen wollten, ist der Versuch gescheitert, durch Fahrzeug-Pools und Sammeltransporte für eine kostengünstige Beförderung zu sorgen.