Obwohl die Bundesbank seit Mitte Mai dieses Jahres zur Kursstützung der Anleihen des Bundes, der Bahn und der Post weit mehr als vier Milliarden Mark zur Verfügung gestellt hat, sind die Rentenkurse kräftig gefallen. Sie signalisieren eine deutliche Zinserhöhung. Wohin, soll der Sparer in dieser Situation sein Geld bringen?

Kein Zweifel: Konjunkturell paßt die Zinserhöhung auf dem Kapitalmarkt nicht in die Landschaft. Und notwendig ist sie auch nicht; denn rein rechnerisch sollte Geld genug zur Finanzierung des Geld- und Kapitalbedarfs vorhanden sein, auch wenn sich die Finanzströme inzwischen verändert haben und die Mark als internationale Anlagewährung an Reiz verloren hat. Der Hauptgrund für die Zinserhöhung ist psychologischer Natur. Mit der Rücknahme des Nominalzinssatzes unter sechs Prozent kehrten die letzten privaten Anleger dem Rentenmarkt den Rücken. Von da ab beherrschten allein Profis das Feld.

Da auch sie die Verzinsung zu Renditen von unter sechs Prozent zu mager fanden, waren sie für Negativfaktoren natürlich anfällig. Als die Zinsabwärtsbewegung ihr Ende erreicht hatte und der Zins zu „atmen“ begann, wurden die Profis sofort hellhörig. Sie begannen, ihre Rentenbeständen zu verringern. In Sorge vor möglichen Abschreibungen auf ihre Rentenbestände legten sich auch Banken und Sparkassen auf die Verkäuferseite. Selbst Rentenfonds neigten eher zum Abstoßen als zu Neuanschaffungen.

Als vor Wochen die Diskussion darüber begann, was die Bundesregierung auf dem Bonner Gipfel als Beitrag zur internationalen Konjunkturbelebung anbieten würde, nahmen die Verkäufe noch zu. Der Grund liegt auf der Hand: Jede zusätzliche Konjunkturförderung, jede Steuererleichterung, wenn sie nicht durch Steuermehreinnahmen gedeckt wird, führt zu einer Erhöhung des öffentlichen Kreditbedarfs, also zu einer stärkeren Inanspruchnahme des Kapitalmarktes.

Die Misere am Rentenmarkt hat viele kapitalsuchende Leute wach gerüttelt. Die Nachfrage nach Hypothekendarlehen steigt, ihre Konditionen haben sich inzwischen wieder verteuert. Zehnjährige Pfandbriefe haben bereits wieder ein Renditenniveau von mehr als 6,5 Prozent erreicht. 6 1/2prozentige Titel werden von den Banken zu 100 Prozent angeboten. Daß unter diesen Umständen das Badenwerk noch mit einer sechsprozentigen Emission mit einer Laufzeit von längstens zwölf Jahre an den Markt kommt, die bei einem Ausgabekurs von 98 1/2 Prozent nur eine Rendite von 6,22 Prozent bringt, ist einigermaßen bemerkenswert. Was diese Anleihe für bestimmte Anlegerkreise reizvoll macht, ist die Tatsache, daß bei ihr „effektive“ Stücke erhältlich sind.

Selbst wenn wir unterstellen, meine verehrten Leser, daß sich der gegenwärtige Zinsauftrieb in den kommenden Monaten irgendwann bremsen läßt, so ist doch nicht ausgeschlossen, daß dies erst bei einem Kapitalmarktzins von sieben Prozent der Fall sein wird. Den Sechseinhalbprozenter haben wir praktisch bereits. Das bedeutet, daß derjenige, der heute Rentenwerte kauft, sich schon morgen über den zu niedrigen Zins ärgert und außerdem Kursverluste beklagen muß.

Aber wohin mit dem Geld? Eine Frage, die deshalb viel gestellt wird, weil eine Menge Leute über ganz ordentliche Summen zur Anlage verfügen. Entweder aus fällig gewordenen Prämiensparverträgen oder aus normalen Tilgungen.