Die Fechter der Volksrepublik China marschierten im Stechschritt auf. Eine Viertelstunde später, beim Abmarsch, schmuggelte sich auch bei ihnen jener Swing-Rhythmus in die Beine, mit dem die Fecht-Weltmeisterschaften in Hamburg musikalisch eröffnet wurden. Die Aktiven aus den USA hatten schon vorher, beim Einmarsch, den waffenlosen Sidestep geübt, kaum daß sie mit der Swingtime-Band konfrontiert wurden. Und keinem der honorigen Fecht-Experten alter Schule fiel dabei das Monokel aus dem Auge.

Der moderne Leistungssport ist ein Kind seiner Zeit. Er formt sich dabei keineswegs ausschließlich nach dem Willen der Sportler und der Funktionäre; er formt sich nicht weniger nach den Wünschen und Neigungen eines Publikums, das sich engagieren möchte und nicht nur wegen des Eintrittspreises Gegenleistungen verlangt.

Die Veranstalter der Fecht-Weltmeisterschaften von Hamburg unternahmen den löblichen Versuch, diesem schönen, aber schwer erklärbaren Sport die Maske herunterzureißen. Sie ließen bei der Eröffnungsfeier Kaskadeure in der historischen Kleidung der "Drei Musketiere" auftreten; sie boten dem werten Publikum auf den Rängen vor und während der Wettkämpfe kurze Unterrichts-Lektionen; und sie machten dabei diesen Sport, der hinter der Maske der Exklusivität lebt, ein kleines bißchen transparenter. Schade, daß bei der Anschauungsdemonstration zweier Hamburger Junioren vor dem Florett-Finale das homerische Gelächter ausgerechnet aus der Ecke der Aktiven selbst kam.

Fechten wird mit Sicherheit nie eine massenbewegende Sportart werden; aber die Aktiven werden hierzulande mit volleren Rängen rechnen können, seitdem man in Hamburg auch die Laien hinter die Masken schauen ließ.

Dabei hat der Fechtsport selbst, ohne es zu wollen, dem Publikum in die Hände gespielt. Vor allem dadurch, daß im Florett und im Degen (nicht im Säbel) die elektrische Trefferanzeige mit roten oder grünen Lampen auch den weniger fechtkundigen Rängen einen "Punkt" deutlich macht.

Es war 1960 bei den Olympischen Spielen von Rom, als ich Christian d’Oriola, Frankreichs berühmtesten Fechter aller Zeiten, kennenlernte. Er hatte bis dahin vier Weltmeisterschaften und zwei olympische Goldmedaillen im Florett gewonnen. Und er sagte damals – in Rom ging er leer aus –, daß er sich niemals mit der Steckdose abfinden könnte, an die er beim Florett angeschlossen sei. "Ich habe immer das Gefühl, als hätte mir einer eine Art Kino eingebaut", schimpfte er in Rom 1960.

Christian d’Oriola wollte sich mit der Kopplung an eine technische Apparatur damals nicht abfinden. Heute fragt man sich – im Interesse eines engagierten Publikums –, ob man nicht auch im Säbel die elektrische Trefferanzeige einführen könne.