Sie sind, zusammen mit Francis Bebey, der im Ausland vielleicht bekannteste Musiker Kameruns. Welche Schwierigkeiten hat ein – afrikanischer Künstler wie Sie, der aus einem Land ohne professionelle musikalische Fortbildungsmöglichkeiten kommt, zu überwinden, bevor er sich durchsetzt?

Es gibt vorrangig das Problem der Kreditwürdigkeit. Im Bild der außerafrikanischen Öffentlichkeit ist der afrikanische Musiker jemand, der Tam-Tam zu spielen und zu tanzen hat. Bis heute betrachtet die Öffentlichkeit einen afrikanischen Musiker, der etwa Piano, Saxophon oder Trompete spielt, der konzertante Musik macht, nur mit Mißtrauen. Dies zu durchbrechen ist für den afrikanischen Musiker sehr schwer. Das ist also schon mal die erste Hürde, die Vertrauenswürdigkeit.

Das beginnt übrigens bereits bei den Musikern selbst: Wenn Sie in Frankreich spielen, sind die französischen Musiker schon mißtrauisch. Da sind Sie rigoros gezwungen sich durchzusetzen, und das erfordert viel Geduld, Zeit und Geld. Geld hat man aber nicht, wenn man anfängt. Also müssen Sie sehr viel Selbstvertrauen und sehr viel Glück haben. Wenn Sie aus der Dritten Welt kommen, gehören Sie nicht zum System, Sie müssen aber da rein, und das ist extrem schwierig. In meinem Fall hat es zwanzig Jahre gedauert, bis die Leute anfingen, meiner Musik zuzuhören.

Wie steht es denn – von dem Problem der Kreditwürdigkeit einmal abgesehen – mit den rein technischen Schwierigkeiten? Ich kann mir vorstellen, daß es etliche Hindernisse dieser Art gab, bevor Sie Ihre erste Platte machen konnten.

Natürlich, ich habe zu der Zeit schon nicht mehr in Afrika gelebt. Ich bin sehr früh nach Europa gegangen, im Alter von fünfzehn Jahren. Meine musikalische Ausbildung habe ich in Frankreich erhalten. Als ich meine erste Platte aufnehmen wollte, sagte man mir: Was soll das werden? Sie sind kein Franzose, Amerikaner oder Engländer, in welcher Sprache wollen Sie denn singen? In einer Kameruner etwa? Sowas produzieren wir nicht, das läßt sich nicht verkaufen. Sie können das in Afrika aufnehmen, vielleicht versuchen wir dann, die Sache in Afrika loszuwerden, aber hier in Europa auf gar keinen Fall. Das war also ganz deutlich, daß unsereiner kein Recht auf die europäischen Musikszene hatte.

Inzwischen leben Sie abwechselnd in Paris, New York und Abidjan. Ein französisches Musikblatt hat Sie kürzlich sogar unter der Rubrik: „französische Musiker“ aufgeführt. Inwieweit fühlen Sie sich eigentlich noch als Kameruner und welche Rolle spielt die musikalische Tradition Ihrer Heimat für Ihre Musik?

Meine Wurzeln liegen in meiner afrikanischen Heimat, aber ich lebe nicht dort. Mein Wohnsitz ist seit drei Jahren Abidjan an der Elfenbeinküste. Von da aus gehe ich mal nach New York, mal nach Paris oder wohin man mich eben einlädt. Aber ich habe immer noch meinen Kameruner Paß. Ich will nicht behaupten, daß ich nur von der Musik Kameruns beeinflußt bin, aber meine ersten und entscheidenden Einflüsse kommen natürlich daher, und ich denke auch zunächst in meinem Dialekt; der Rhythmus ergibt sich aus der Art, wie ich meinen Dialekt spreche. Das bestimmt meinen Ausdruck. Der Rest setzt sich aus anderen Bedürfnissen, Kontakten und Einflüssen meiner Umgebung zusammen. Ich halte mich für einen offenen Musiker. Ich lasse mich nicht gerne als Kameruner Künstler apostrophieren, ich bin viel eher ein Künstler, der aus Kamerun stammt. Das ist ein erheblicher Unterschied.