Viele Anzeichen deuten daraufhin, daß sich die Konjunktur in der Bundesrepublik weiterhin belebt. Nach dem letzten Bericht der Deutschen Bundesbank für April und Mai nahmen sowohl der Verbrauch als auch die Auftragseingänge wieder zu. Im Durchschnitt lag die Nachfrage nach Industrieerzeugnissen um vier Prozent höher als zur selben Zeit im Vorjahr. Die Inlandsbestellungen stiegen seit dem letzten Bericht für Februar/März um zwei Prozent, während die Nachfrage aus dem Ausland – besonders bei Investitionsgütern – etwas abflaute.

Auch auf dem Kreditmarkt tat sich im Mai etwas. Die Banken verliehen 7,7 Milliarden Mark an inländische Unternehmen und Privatpersonen, das waren 2,1 Milliarden Mark mehr als im April und 3,6 Milliarden mehr als Anfang des Jahres. Diese Belebung der Kreditnachfrage deutet auf anregende Impulse aus dem Binnenmarkt hin. Gleichzeitig trug sie aber auch zum Anwachsen der Geldmenge bei. Die Bundesbank sieht diese Entwicklung mit etwas gemischten Gefühlen: Sie will an ihrer Politik des „nicht zu flüssigen Geldes“ festhalten.

Recht spendabel zeigte sich im ersten Halbjahr 1978 wieder die öffentliche Hand. Der Erfolg: Das Defizit des Bundes hat sich seit Jahresfrist um des Milliarden Mark auf insgesamt 10,4 Milliarden Mark ausgeweitet. Mit dreizehn Prozent stiegen die Ausgaben und mit neun Prozent die Einnahmen des Bundesfinanzministers von Januar bis Juni bereits stärker als es für das ganze Jahr geplant war.

Eher bescheiden nehmen sich die Gewinne deutscher Unternehmer im Vergleich zu denen ihrer Konkurrenten in anderen großen Industrienationen aus. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft lag die durchschnittliche Nettoumsatzrendite, also der steuerbereinigte Gewinn im Verhältnis zum Umsatzerlös, in der Bundesrepublik für die letzten Jahre bei 2,2 Prozent. Die Amerikaner konnten demgegenüber eine Umsatzrendite von 4,6 Prozent, die Briten eine von 3,7 Prozent erwirtschaften. Nach Angaben des Instituts hätten die deutschen Industrieunternehmen im Jahresdurchschnitt fast ein Prozent mehr Zinsen verdienen können, wenn sie das Eigenkapital nicht in ihrem Betrieb, sondern in festverzinslichen öffentlichen Anleihen angelegt hätten. iml