Dissident in Freiheit

Der Versuch des amerikanischen UN-Botschafters Andrew Young, die Dissidenten-Verfolgung in der Sowjetunion und die Behandlung politischer Gefangener in Amerika einander gleichzusetzen, ermunterte einen Leser der Londoner Times zu einem bissigen Kommentar: „Es kann unmöglich „Hunderte, ja Tausende politischer Gefangener‘ in einem Lande geben, in dem man einem so offenmütigen Dissidenten wie Mr. Andrew Young noch immer seine Freiheit läßt.“ Young, von Präsident Carter gerügt, hat sich mittlerweile entschuldigt.

Kritik am Nachbarn

Das „Russell-Tribunal zur Situation der Menschenrechte in der Bundesrepublik“, das für Anfang Januar 1979 eine neue Sitzung vorbereitet (Themen: Zensur, Verfassungsschutz, mutmaßliche Verletzung der Menschenrechte von Personen, die in einem Strafverfahren involviert sind), hat sich bemüht, den Vorwurf politischer Einseitigkeit abzuschütteln. Bei einer Sitzung in Berlin protestierten die internationalen Juroren und der deutsche Beirat nebst Sekretariat „betroffen und empört“ gegen die Verurteilung des DDR-Systemkritikers Rudolf Bahro. Zweideutig ist freilich die Begründung: Das Urteil habe „der Sache des internationalen Sozialismus schwersten Schaden“ zugefügt.

Preisträger gesucht

Im Jahre 1979 wird der Theodor-Heuss-Preis zum 15. Mal verliehen. Vorschläge für geeignete Kandidaten können bis zum 15. Oktober 1978 bei der Stiftung Theodor-Heuss-Preis e. V., Gärtnerplatz 2, 8000 München 5, eingereicht werden. Für Vorschläge an das Kuratorium kommen Personen, Gruppen und Institutionen in Frage, die sich durch vorbildliches demokratisches Verhalten, bemerkenswerte Zivilcourage oder beispielhaften Einsatz für das Allgemeinwohl ausgezeichnet haben. Die Stiftung regt an, in diesem Jahr vor allem beispielhafte Initiativen aus allen Bereichen der europäischen Zusammenarbeit einzureichen.