Die Aufgabe, die dem Bundeskartellamt in Berlin gestellt ist, läßt sich mit einem Satz einfach beschreiben: Es soll dafür sorgen, daß der wirtschaftliche Wettbewerb in der Bundesrepublik im Interesse des Verbrauchers nicht durch Absprachen, Kartelle, Fusionen und Monopolbildung eingeschränkt wird.

Diese Aufgabe auch in der Praxis zu erfüllen, ist weniger einfach. Da ist nicht nur der Widerstand der Betroffenen zu überwinden, die stets wortreich und gelegentlich larmoyant zu begründen wissen, warum in ihrem Fall der Wettbewerb ruinös und eine Gefahr für die Arbeitsplätze ist. Da muß auch oft mit kriminalistischen Methoden Beweismaterial gesammelt werden. Da ist das Berliner Kammergericht, vor, dessen Schranken die wirtschaftlichen Überlegungen der Kartelljäger allzu häufig mit juristischem Formalismus kollidieren. Und da ist schließlich das große Problem, wie im konkreten Fall ein „funktionierender Wettbewerb“ oder ein „relevanter Markt“ aussieht und ob mehr Wettbewerb dem Konsumenten eher nützt oder schadet.

Ein Musterbeispiel dafür ist der Streit zwischen dem Kartellamt und dem Springer-Konzern. Springer möchte seinen Anteil von 24,9 Prozent am Münchner Zeitungsverlag (MZV), der die Abonnementszeitung Merkur und das Boulevardblatt tz herausgibt, zu einer Mehrheitsbeteiligung aufstocken, weil diese Blätter allein zu schwach seien, um mit der Süddeutschen Zeitung und der Abendzeitung zu konkurrieren. Die Berliner Wettbewerbshüter sind dagegen, weil sie denSpringer-Verlag für zu stark halten.

Recht haben beide und unrecht ebenso – je nachdem, wie der Fall betrachtet wird. In der Bundesrepublik und Berlin hat der Springer-Konzern bei den Boulevardzeitungen (allen voran Bild) mit einem Marktanteil von achtzig Prozent ohne Zweifel eine marktbeherrschende Stellung. In München und Umgebung könnte er durch einen Anzeigenverbund zwischen der Regionalausgabe von Bild, tz und Merkur ebenfalls eine bessere Marktposition erobern.

Im Stadt- und Landkreis München behaupten Abendzeitung und Süddeutsche Zeitung bisher eine klare Spitzenposition (die durch die amtliche Behinderung des Springer-Konzerns im Wettbewerb zementiert werden, könnte), während ineinigen umliegenden Landkreisen die Blätter des Münchner Zeitungsverlages dominieren. Kenner des süddeutschen Zeitungsmarktes fürchten allerdings, daß diese starke Stellung auf dem Lande dem MZV auf die Dauer auch nicht helfen wird, wenn er nicht die Chance bekommt, sich an einen starken Partner anzulehnen. Würde der MZV mit seinen Blättern irgendwann vom Markt verschwinden, würde vor allem die Süddeutsche Zeitung sich kaum noch um die Konkurrenz kümmern müssen;

Wenn mehrere Blätter sich einen harten Wettbewerb liefern, so hat dies für den Leser ohne Zweifel große Vorteile – wie groß, zeigt ein Blick in viele der Regionalzeitungen, die am Ort keinen Wettbewerber mehr haben und sich daher einen Dreck um die Wünsche ihrer Leser scheren. Nimmt der Wettbewerb zu scharfe Formen an, kann die Qualität aber ebenfalls auf der Strecke bleiben. Keines der beteiligten Blätter kann es sich dann leisten, Anzeigenkunden – und sei es auch nur der örtliche Kinobesitzer oder ein Schlachter – durch kritische Berichte zu verärgern oder den heftig umworbenen Leser durch eine unbequeme Meinung zu schockieren.

Für einen „funktionierenden“ Wettbewerb zu sorgen – ob auf dem Zeitungsmarkt oder bei industriellen Gütern – ist daher leichter gefordert als getan. Michael Jungblut