Die langweilige Fußball-Weltmeisterschaft gerät glücklicherweise langsam in Vergessenheit, dank der Absage von Los Angeles sind die Olympischen Spiele wieder in das Fadenkreuz des Interesses gerückt. Das Reisegewerbe, bereits seit einigen Jahren wohltrainiert auf die Teilhabe an sportiven Großereignissen, kann die ersten Überlangen zur Gestaltung eines kalifornischen Olympias vorläufig ad acta legen. Es waren ohnehin nur zaghafte Gedanken, gilt es doch, erst einmal das näherliegende olympische Fest 1980 in Moskau touristisch aufzubereiten. Und diese Arbeiten sind bereits in einem handfesten Stadium.

Das Deutsche Reisebüro (DER) in Frankfurt, seit mehreren Olympiaden erprobter Partner der erwählten Städte, fungiert auch für die Sowjets als eine Art Generalunternehmer in Deutschland – dies in Absprache und enger Kooperation mit den Nationalen Olympischen Komitees beider Staaten. Die hierzulande größte Reisebüro-Organisaten übernimmt wieder den Vertrieb der Eintrittskarten zu den verschiedenen Sportveranstaltungen.

Aus der Bundesrepublik werden rund 12 000 Besucher an der Moskwa erwartet. Für 26 Veranstaltungen wurden 280 000 Eintrittskarten bestellt. Unklar ist aber, wann der Verkauf dieser Tickets beginnt, da der Zeitplan der einzelnen Wettkämpfe noch nicht bekannt ist. Bis Ende September, so hieß es jetzt, soll dieser Plan ausgearbeitet sein. Dann konnte der Kartenverkauf im kommenden Januar beginnen.

Neben diesem „offiziellen“ Kartenverkauf präpariert das DER auch touristische Anschlußprogramme und bucht die entsprechenden Hotelkapazitäten für das eigene Programm wie für die der Konkurrenten, beispielsweise für Neckermann. Alle deutschen Vertragspartner der sowjetischen Staatsreiseorganisation „Intourist“ werden so via DER und analog zu ihren sonstigen Touristenzahlen in die UdSSR versorgt.

Walter Stöhrer, Touristikchef des Deutschen Reisebüros und von den Sowjets bereits vor anderthalb Jahren als Berater erbeten, hat seinen Vertragspartnern in Rußland angeraten, die Olympia-Eintrittskarten nicht zwangsweise mit anderen Touristikprogrammen zu koppeln. Sein zweiter Rat: Die Wettkampftickets sollten nicht in „Serien“ festgelegt sein, jeder Interessent solle sich somit seine Wettkämpfe selbst aussuchen können. „Ich habe den Eindruck, Moskau will es auch so handhaben“, meinte Stöhrer, der erst vor kurzem wieder einmal in der sowjetischen Hauptstadt war. Ein derartiges Verfahren hätte den Vorteil, daß sich Sportinteressenten wie Reiselustige ihre „Olympia-Programme“ aus den „Baukästen“ der Reiseveranstalter individuell zusammenstellen können.

Erfreulich ist auch eine andere Ein-Schätzung Stöhrers: „Die Russen werden wohl Argentiniens Fehler nicht wiederholen. Die Preise bleiben anscheinend solide“. Der Reisestratege, der während der Kicker-Weltmeisterschaft die deutschen „Schlachtenbummler“ in Südamerika mitbetreute, hat die teilweise exorbitanten Preisaufschläge der Argentinier noch in frischer Erinnerung: „Ein Doppelzimmer, das vorher 30 Dollar gekostet hatte, kostete dann 100 Dollar. Die hatten Preissteigerungen von bis zu 300 Prozent. Selbst die staatliche Luftlinie machte da mit.“ Bei der sowjetischen Linie, deren Maschinen bereits mit der Beschriftung „Offizielle Olympia-Fluggesellschaft“ am Rumpf in die Luft gehen, erhoffen sich die deutschen Ferienplaner mehr Preisdisziplin.

Gelassen sieht man in der Frankfurter DER-Zentrale auch den Unterbringungsfragen entgegen. In Moskau ist ein Komplex mit mehreren Hotels für rund zehntausend Besucher im Bau. Weniger günstig sieht es außerhalb der Hauptstadt aus, dort sind Gästebetten auch 1980 noch knapp. Jenen, die ihren Moskauflug mit Anschlußreisen durch das Land verknüpfen wollen, gilt deshalb der Rat, diese möglichst zeitig zu buchen. K. V.