Fünf der schönsten Fairbanks-Filme sind jetzt noch einmal im Fernsehen zu besichtigen. Ihr Charme hat kaum gelitten im Laufe eines halben Jahrhunderts, auch wenn dem heutigen Betrachter, verdorben vom Fernsehen, gelegentlich eine gewisse Dynamik in der Handlungsführung fehlen mag. Zumal in "Robin Hood" (1922), dem wahrscheinlich aufwendigsten aller Hollywood-Stummfilme, dessen monumentale Bauten und Heere von Statisten selbst "Intolerance" von Griffith in den Schatten stellen, nimmt sich Fairbanks sehr viel Zeit, diese Wunderwelt des überflusses und der technischen Phantasie vor dem staunenden Publikum auszubreiten: wie ein Kind, das seine neue Spielzeugeisenbahn erst einmal ausführlich anschaut, bevor es sie in Betrieb setzt.

Fairbanks liebte den Luxus, nichts war ihm zu teuer, um alle Details seiner Produktionen kümmerte er sich selber. Unter dem Pseudonym Elton Thomas schrieb er seine eigenen Drehbücher. Den Regisseuren, darunter so prominenten wie Allan Dwan ("Robin Hood", "Die eiserne Maske") und Raoul Walsh ("Der Dieb von Bagdad"), kam nur eine Hilfsfunktion zu. Kein anderer Stil als der von Fairbanks, selber prägte seine Filme: jene unnachahmliche Mischung aus chevalereskem Wagemut und gutmütigem Humor (ganz im Gegensatz zur kalten Pracht der Monumentalfilme eines Fritz Lang), tänzerischer Beschwingtheit (unser Held ist ständig in Bewegung, stets darauf bedacht, die Herausforderung der Schwerkraft zu überwinden) und perfekter Tricktechnik: An den special effects wurde monatelang gebastelt, nach allen Regeln der Kunst. Manchmal halfen Doppelbelichtungen und Modellaufnahmen (die schönsten Beispiele dafür gibt es im "Dieb von Bagdad" zu sehen), manchmal auch nur ein simples, hinter der Dekoration verstecktes Trampolin, mit dessen Hilfe Fairbanks die verwegensten Luftsprünge vollführte.

In seiner Welt gab es nichts, was unmöglich war: In der 1926 in einem frühen Technicolor-Verfahren gedrehten karibischen Phantasie "Der schwarze Pirat" entert er ganz allein ein feindliches Schiff, das er außer Gefecht setzt, indem er sich von den mächtigen Segeln herabgleiten läßt und sie dabei mit seinem Messer aufschlitzt. Mein Vater, der diese Szene als Zehnjähriger gesehen hat, kann sie noch heute sehr genau beschreiben. Hans C. Blumenberg