Eine humane Rechtsprechung verlangt ganz andere Gerichtsgebäude

Von Gerhart Laage

Dem besonderen Sicherheitsbedürfnis gegen „Sabotage, Brand- und Sprengstoffanschläge, Überfälle, Befreiungsunternehmen, Einbrüche und andere Störaktionen ist Rechnung zu tragen“. So steht es im Bauprogramm für ein neues Gerichtsgebäude. Wenn man diese Forderung ernst nimmt, muß man eine Festung bauen. Gleichzeitig heißt es aber auch, daß architektonische Lösungen angestrebt werden sollen, die den „besonderen Zweck des Gerichtsgebäudes, in dem wichtige Funktionen der Gesellschaft wahrgenommen werden, zum Ausdruck bringen “.

Aussagen jedoch über diesen Zweck, über die gesellschaftlichen „Funktionen“, fehlen leider. Es ist deshalb logisch, daß sie beim Bauen hinter präzise formulierten Sicherheitsfunktionen zurückstehen, wie zum Beispiel auch jener, „ganze Gebäudeteile abzuschotten und das Vorfeld gegen Demonstranten zu schützen“. Es mutet fast ironisch an, daß gleichzeitig behauptet wird: „Ein bedeutender Faktor bei der Tätigkeit des Gerichts ist die Einbeziehung der Öffentlichkeit.“

Um es gleich klarzustellen: Es geht hier nicht um billige Polemik gegen irgendein Programm für ein Gerichtsgebäude, sondern um die Fragen:

  • In welcher Form wird und soll Recht gesprochen werden; welche architektonische Umwelt gehört dazu? Wie soll sie auf die Bürger wirken?
  • Dürfen und können Terroristen die Rechtsprechung und die Architektur der Justizgebäude deformieren? (Auch Terroristen sind sterblich.)
  • Erfüllen nicht Gerichtsbauten für eine furchtsame Justiz genausowenig ihre Funktion gegenüber der Gesellschaft wie Gerichtsgebäude, die den Bürger furchtsam machen sollen?
  • Wenn die Bauherren nichts über Sinn und Bedeutung von Gerichtsbauten sagen wollen oder können, woran sollen sich dann die Architekten orientieren?

Sinnlos riesenhafte Treppenhäuser