Mike Babcock gräbt im Solde des Öl-Multis Gulf nach Uran. Er ist Betriebsführer der Grube Rabbit Lake in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Aber obwohl da beinahe soviel Energierohstoff gefördert wird wie im gesamten rheinischen Braunkohlenbergbau, gebietet er nur über 290 Mitarbeiter.

Über sie gibt er bereitwillig Auskunft – was sie verdienen, wie die Arbeitsbedingungen sind, was an Sozialleistungen geboten wird. Auch über Tonnen läßt Babcock mit sich reden, über Förderung und Aufbereitung. Erst bei der Frage nach den Kosten wird er stumm. Darüber darf er offenbar nicht sprechen, weil die Gesellschaften es nicht wünschen.

Die Gesellschafter, das sind die Gulf Minerals Canada Ltd. und die Uranerz Canada Ltd. Und da haben die Deutschen die Hand im Spiel. Die Uranerz Canada ist eine Tochter der Uranerzbergbau-GmbH in Bentheim, die (indirekt) vom Stromproduzenten Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG (RWE) beherrscht wird.

Der Grund dafür, daß Mike Babcock über die Kosten nicht reden will, ist wohl, daß sie „erschreckend“ niedrig sind. Für den Außenstehenden ist es nicht ganz leicht, sie zuverlässig zu schätzen – mehr als zehn kanadische Dollar (knapp zwanzig Mark) je Pound (454 Gramm) können sie jedoch kaum betragen. Und das ist ein knappes Viertel des Weltmarktpreises für Uranerz, der bei 41 US-Dollar liegt.

Warum die Uran-Förderung so billig sein kann, das sieht man bei einem Besuch der Grube, die ihren Namen von einem inzwischen trockengelegten, kaninchenförmigen See hat. Die Ausstattung der Grube ist äußerst bescheiden – man kommt mit zwei Bohrgeräten, drei Schaufelladern, zwei Planierraupen und acht Muldenkippern aus. Damit werden jährlich etwa 600 000 Tonnen Uranerz gefördert, die in der Aufbereitungsanlage zu 1900 Tonnen Uranoxyd (Yellow Cake) verarbeitet werden. Dies läßt sich entweder in Natururan-Reaktoren direkt verwenden oder dient als Ausgangsstoff für die Urananreicherung.

Die Aufbereitungsanlage sieht aus, als sei sie gleich auf Abbruch gebaut. Ein unschönes Zweckgerät, abgestimmt darauf, daß in der Grube nur etwa zehn Jahre lang zu tun sein wird. Dann ist nämlich der „Erzkörper“ abgebaut. Und dann hat die Aufbereitungsanlage vermutlich nicht einmal mehr Schrottwert. Wozu auch – Rabbit Lake ist nur mit dem Flugzeug oder über eine 420 Kilometer lange Stichstraße, die es mit dem kanadischen Wegnetz verbindet, zu erreichen.

Die ganze Apparatur hat nur 55 Millionen Dollar gekostet. Rechnet man großzügig mit einem Kapitaldienst von jährlich zwanzig Prozent, dann belastet sie das Enderzeugnis mit gut zweieinhalb Dollar je Pound. Die Wegwerfanlage macht sich bezahlt.