Facharbeiter bevorzugt

Beispiel: Bei der Neueinstellung von Arbeitskräften werden qualifizierte Facharbeiter bevorzugt behandelt, weil sie eher zur Produktivität beitragen als ungelernte. Kenner der jugolawischen Praxis berichten sogar, daß es Unternehmen gibt, die kurzfristig Honorarverträge mit nur vorübergehend benötigten Arbeitern schließen. Solche Arbeiter sind praktisch für jeden Zweck einsetzbar, ohne daß sie die vollen Selbstverwaltungsrechte genießen. Durch die Profite des Unternehmens wurde Velenje reich / Von Wolfgang Hoff mann

In der Stadtchronik der slowenischen Kommune Velenje heißt es: „Einen großen Einfluß auf dem breiten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gebiet der Stadt übt vor allem Gorenje aus.“ Gorenje, das ist der „rote“ Haushaltswaren-Konzern „Alles für das Heim“, dessen 8000 Arbeiter der Muttergesellschaft Velenje vor einigen Wochen die deutsche Radio- und Fernsehfirma Körting gekauft haben. (ZEIT Nr. 30: „Hintertür zum Kapitalismus?“)

Der Einfluß des Unternehmens auf die Stadt muß zusammen mit dem Bergbau- und Elektrizitätskombinat REK in der Tat außergewöhnlich groß gewesen sein. Denn die Gemeinde Velenje, 35 000 Einwohner, ist reich: 18 Volksschulen, ein Gymnasium, ein Bergbauschulzentrum, tausend Kindergartenplätze, ein Schwimm- und Sportzentrum, das manche deutsche Großstadt vor Neid erblassen ließe, Kulturzentrum, Galerie, Bibliothek, Mehrzweckhalle, eine Burg mit Heimatmuseum, ein künstlicher See und ein Hotel am Platz.

Das alles, einschließlich der Geschäfte, dem Café und den Restaurants befindet sich in gesellschaftlichem Eigentum. Erwähnenswerte Privatbetriebe gibt es in Velenje nicht.

Mit dem einzigen Hotel am Ort, dem Hotel Paka, hat es allerdings eine besondere Bewandtnis, wie meine Gesprächspartner der Firma Gorenje ganz offen berichten. Es ist ein Monopolbetrieb. Das heißt, alle bisherigen Versuche, selbst solche des doch immerhin mächtigen Unternehmens Gorenje, ein Konkurrenzunternehmen aufzuziehen, sind am Widerstand des bestehenden Hotelkollektivs gescheitert – nicht gerade zum Nutzen der Gäste. Die Firma Gorenje bringt bevorzugte Gäste daher auch stets im firmeneigenen Gästehaus unter, das freilich nur wenige Zimmer hat.

Franjo Klunj ist Präsident der Gemeinde von Velenje. Und er ist sichtlich stolz auf seine Gemeinde. In seinem Rathausbüro, das in Größe und Ausstattung die Bedeutung der Bürokraten auch in diesem Land unterstreicht, berichtet er, daß Velenje 1976 mit seinem Volkseinkommen an zweiter Stelle aller slowenischen Gemeinden lag, und unter den Industriegemeinden sogar den ersten Platz hielt. Das erklärt, warum Velenje in ganz Jugoslawien einen außerordentlichen Ruf genießt, denn die Teilrepublik Slowenien steht wiederum innerhalb des Vielvölkerstaates ganz oben.