Hamburg

Die Polizei hatte, wenn auch widerwillig, Waffen angelegt. Und drinnen im Martin-Luther-King-Haus, dem Domizil der Evangelischen Studenten-Gemeinde (ESG) Hamburg, saßen etwa vierzig Studenten und vier Pastoren, die sich widerstandslos festnehmen und danach „erkennungsdienstlich“ behandeln ließen. Das Nordelbische Kirchenamt in Kiel hatte Strafanzeige erstattet wegen „Hausfriedensbruch“.

Joachim Ziegenrücker, Vorsitzender des Synodalausschusses „Kirche und Gesellschaft“ in Hamburg, nannte die Aktion schlichtweg einen „Skandal“. Klaus Woermann, Sprecher der ESG Hamburg, erkannte, daß hierbei Mitglieder der Nordelbischen Kirche „kriminalisiert“ worden seien. Und Professor Hans-Rudolf Müller-Schwefe, Vorsitzender der Evangelischen Akademikerschaft in Hamburg, sagte während einer Protestkundgebung auf der Moorweide: „Weiß das Kirchenamt in Kiel, was es getan hat? Es hat sich des Staates und seiner Mittel bedient, die selbst im Bereich des Staates Unbehagen auslösen. Es hat die Arbeit der Christen an unserer Universität erschwert. Es hat den Namen der Kirche unter den jungen Menschen ‚stinkend‘ gemacht.“

Was war denn eigentlich geschehen? Zuerst waren zwei Vertreter des Nordelbischen Kirchenamtes im Martin-Luther-King-Haus erschienen und hatten von den anwesenden Vertretern der ESG die Räumung des Hauses verlangt. Als die Studenten sich weigerten, holten sie die Polizei. Die drei Männer der Streifenwagenbesatzung erklärten unmißverständlich: „Das ist nicht unser Bier“ und zogen wieder ab. Daraufhin erwirkte Oberkirchenrat Dr. Göschen, juristischer Referent im Nordelbischen Kirchenamt, eine „einstweilige Verfügung“, wonach das Gebäude nunmehr sofort geräumt werden sollte. Wieder erschien die Polizei. Diesmal sagte man den Vertretern des Kirchenamtes, daß den Mitarbeitern der ESG eine angemessene Frist zur Räumung zugebilligt werden müsse.

Zwei Stunden später allerdings war bereits das Telephon im Haus an der Grindelallee abgestellt, und sämtliche Schilder, die auf die ESG hinwiesen, waren entfernt. Klaus Woermann durfte also vermuten: „Das war offensichtlich eine detailliert geplante und minuziös durchgeführte Aktion.“

Wie sehr er damit recht hatte, erfuhr die ESG am Tag darauf, als die Polizei „bis an die Zähne bewaffnet“ (Woermann) anrückte und das Haus an der Grindelallee 9 räumte.

Sieg der Bürokratie