Trotz mäßiger Lohnabschlüsse herrscht tifer Fride zwischen den Sozialpartnern

Von Alexander Mayr

Nach dreizehn zähen Verhandlungsrunden war es endlich soweit. Im hochnoblen Zürcher Dolder Grand Hotel stimmte als letzter auch der Arbeitgeberverband Schweizerischer Maschinen- und Metallindustrieller (ASM) zu: Helvetiens nun schon vierzig Jahre währender Arbeitsfrieden war damit um weitere fünf Jahre gesichert. Denn zuvor hatten bereits der Schweizerische Metall- und Unterarbeiter verband (SMUV), mit 140 000 Mitgliedern der Eidgenossen größte Einzelgewerkschaft, der Christliche Metallarbeiterverband und der Schweizerische Verband evangelischer Arbeitnehmer „ja“ gesagt zur Verlängerung des bereits legendären „Friedensabkommens“ in der Schweizer Metallindustrie.

Der Sozialpakt zwischen ASM und SMUV, erstmals am 19. Juli 1937 geschlossen, verpflichtet die Vertragsparteien, „für die ganze Dauer des Vertrags unbedingt den Arbeitsfrieden zu wahren und zu dessen Einhaltung auf die Mitarbeiter einzuwirken“. Streik wie Aussperrung sind ausgeschlossen, strittige Fragen nach dem von den Eidgenossen oft zitierten Motto „Man muß halt miteinander reden“ durch eine Schiedsstelle zu regeln. Zwar gilt das Abkommen nur für die Metallbranche, doch kommt ihm weitgehende Signalwirkung auch für die übrigen Wirtschaftsbereiche zu. Die weltweit bewunderte wirtschaftliche Stabilität der praktisch vollbeschäftigten Schweiz mit einmalig soliden Inflationsraten von nur ein bis zwei Prozent wäre ohne den Pakt kaum denkbar.

Hoher Organisationsgrad

Während bei den Nachbarn in Europa jährlich Millionen Produktionstage durch Arbeitskämpfe verlorengehen, blieb die Schweiz eine Insel der Ruhe: Bezogen auf tausend Arbeitnehmer fielen in den drei Jahren nach 1974 in der Schweiz nur ganze drei Tage aus, in Deutschland 25, in Frankreich 243 und in Italien sogar 1754 Tage. Dabei ist der Organisationsgrad der eidgenössischen Arbeitnehmer keineswegs geringer als beispielsweise in Deutschland: Mit 38 Prozent haben die Schweizer Gewerkschaften sogar relativ mehr Mitglieder als der Deutsche Gewerkschaftsbund, dem nur knapp 36 Prozent der Arbeitnehmer angehören.

Dabei, was in den letzten Jahren für sie heraussprang, könnte die Schweizer Arbeitnehmer eigentlich nicht besonders friedlich stimmen. Ähnlich wie ihre Kollegen in den europäischen Nachbarländern, mußten sie den Gürtel nämlich enger schnallen. Vor drei Jahren gab es noch real 2,5 Prozent mehr Lohn, letztes Jahr schrumpfte das Plus auf unter ein Prozent.