Carters blockierte Energiepläne und Gerüchte um eine neue Preispolitik der OPEC führen zu! neuen Kurseinbrüchen

Von Jes Rau

Jimmy Carter war kaum heimgekehrt vom Staatschef-Treff der sieben wichtigsten Industrienationen in Bonn, da hatten die internationalen Geldhändler und Währungsspekulanten schon ihr Urteil gefällt über das Ergebnis des Politik-Spektakels. Noch ehe das Washingtoner Kommuniqué der Gipfelkonferenz veröffentlicht war, verlor der Dollar an fast allen Fronten Boden. In der alten deutschen Hauptstadt hatte der amerikanische Präsident der Bevölkerung zugerufen „Was immer auch sei, Berlin bleibt frei.“ In Abwandlung Carterscher Reimkunst lautet das Motto der Devisenspekulanten nun offenbar: „Was immer auch sei, der Dollar geht entzwei.“

Am schlimmsten erwischte es die amerikanische Währung in Tokio: Am Wochenbeginn unterschritt der Dollarkurs erstmals die Marke von 200 Yen. Die japanische Notenbank mußte ihre Stützungskäufe wegen der haushohen Welle hereinbrechender Dollars – fast eine Milliarde an einem Tag – aufgeben.

Wieder einmal war es das Stichwort Öl, das der amerikanischen Währung so zu schaffen machte. Seit Ende vergangener Woche kursieren Gerüchte, die OPEC plane, ihre Preispolitik grundlegend zu ändern. Das genügte, den Dollar in eine neue schwere Krise zu stürzen.

Die Gerüchte knüpfen sich an Äußerungen, die der Ölminister von Kuweit und OPEC-Generalsekretär, der 33jährige Scheich Ali Khalifa Al-Sabah, nach dem Abschluß einer Tagung eines neugegründeten Expertenausschusses der OPEC in London abgab. Danach empfiehlt der Ausschuß, den Öl preis künftig an einen Korb verschiedener Währungen zu knüpfen. Also nicht mehr allein an den Dollar.

Was wollen die Saudis?