Völlig überraschend wurde am Montag das Mitglied der chilenischen Militärjunta, der Luftwaffenbefehlshaber General Gustavo Leigh, seines Amtes enthoben und in den Ruhestand versetzt.

Nachfolger Leighs in der Junta wurde der bisherige Gesundheitsminister des Landes, General Fernando Matthei. Der Entschluß, Leigh abzulösen, wurde von den drei anderen Junta-Mitgliedern nach einer offiziellen Erklärung einstimmig und in Abwesenheit Leighs getroffen.

Der Schritt der Militärjunta, der nach Ansicht politischer Beobachter „handstreichartig“ durchgeführt wurde, ist der Höhepunkt der politischen Auseinandersetzungen zwischen General Leigh und Staatschef Pinochet. Leigh hatte wiederholt eine beschleunigte Rückkehr Chiles zur. „Normalität“ gefordert. In einem Interview mit einer italienischen Zeitung hatte Leigh zugleich Kritik an der Regierung geübt, die seiner Meinung nach zu wenig dafür getan habe.

Daß es sich bei diesen Meinungsverschiedenheiten aber durchaus nicht nur um einen persönlichen Streit zweier Junta-Mitglieder gehandelt hat, läßt sich daraus ersehen, daß mit Leigh acht weitere Luftwaffengenerale pensioniert worden sind. Unter diesen Generalen befinden sich die früheren Minister der Militärregierung Nicanor Diaz (Arbeit), Sergio Figueroa (öffentliche Arbeiten) und Raul Vargas (Verkehr).

Unterdessen hat sich Pinochet von den anderen Junta-Mitgliedern die Unterstützung für seinen Plan einer „autoritären Demokratie“ geholt, die in etwa zehn Jahren die Junta-Diktatur ablösen soll. Ob Pinochet das Militär allerdings tatsächlich soweit in der Hand hat, wie dieser jüngste Schritt gegen einige seiner ersten Weggenossen befürchten läßt, ist derzeit noch nicht abzuschätzen. U. V.