Hervorragend "Züchte Raben von Carlos Saura. Sollte es nicht doch noch gelingen? Es ist dies der wohl intelligenteste und sensibelste und auch für Nichfspanier zugänglichste Film des einzigen spanischen Regisseurs von Weltgeltung. Im Ausland, vor allem in Frankreich, standen wochenlang Schlangen vor den Kinos, in denen er lief. In Deutschland ist bisher nur ein einziger Saura Film je ins Kino gekommen; wenn ihn hierzulande doch jemand kennt, dann dank dem Fernsehen "Züchte Raben wurde 1976 gesendet. Es ist die Geschichte eines kleinen Madrider Mädchens, das glaubt, die ihr angetanen Verletzungen mit dem Tod bestrafen zu können — ein Film über die stummen Schrecken der Kindheit, ihre ausdruckslose Ohnmacht, ihre nicht für voll genommenen Gefühle, ihre überscharfen Wahrnehmungen, ihre noch ungeschickten Auflehnungen, ihre Fassungslosigkeit über die Unverläßlichkeit erwachsener Zuwendung: ein böser und doch ganz normaler Sommerferientraum. Wenn dieser Versuch gelingt, auch in Deutschland Saura ins Kino zu bringen, wo er hingehört, wäre der Anfang zu einer Wiedergutmachung gemacht, und zwar einer an uns selber.

Mittelmäßig "Mephisto Walzer" von Paul Wendkos. Ein unheilbar kranker Pianist (Curd Jürgens), der mit seiner Tochter ein inzestuöses Verhältnis hat, läßt durch ein kabbalistisches Ritual seine Seele (samt seinem Talent auf den Tasten und im Bett) nach dem Tod im Körper eines Musikkritikers (Alan Alda) weiterleben — woraufhin dessen Ehefrau (Jacqueline Bisset) ihrerseits einen Pakt mit dem Teufel schließt. Daß dieser bereits 1971 gedrehte Film jetzt erst in die Kinos kommt, ist wohl dem Erfolg der "Exorzisten" Welle zuzuschreiben. Das damalige Vorbild allerdings war Polanskis "Rosemaries Baby" (1968): beklemmend aufdringliche Nachbarn, ein Alptraum als Ahnung kommenden Unheils, der frühe Tod des einzigen Außenseiters und möglichen Helfers (Bradford DiUman). Grauen ob der unerwarteten Abgründe des Alltäglichen kommt beim Betrachter jedoch kaum auf — eher ein Gefühl gepflegter Langeweile. Mit mondäner Eleganz schreiten die Darsteller durch luxuriöse Dekors, dezent ihre Probleme umschreibend, und Sinistres wird durch wehende Vorhänge und Zerrlinsen vermittelt. Dies Distanzierte und zugleich Überdeutliche machen aus "The Mephisto Waltz" einen bizarren Genre Bastard: ein seifiges Ehemelodram über "Do It Yourself Satanismus.

Ärgerlich "Der Hund von Baskerville" von Paul Morrissey, der erneut — wie schon in Andy Warhols Frankenstein" und "Andy Warhols Dracula" — einen Genrelock Holmes und sein Adlatus Dr. Watson werden in dieser Verfilmung des Romans von Arthur Conan Doyle nicht ironisch nostalgisch (wie in Billy Wilders "Das Privatleben von Sherlock Holmes", 1970) oder liebevoll parodistisch ("Kein Koks für Sherlock Holmes", 1975, von Herbert ROSS) porträtiert, sondern nur übel malträtiert: die tumben Toren aus der Baker Street. Die populären britischen Komiker Peter Cook und Dudley Moore, die zusammen mit Morissey das Drehbuch schrieben und die beiden Hauptrollen spielen, mögen eine deftige Persiflage der Konventionen des Kriminal- und Horrorfilms beabsichtigt haben: in Morrisseys plumper Inszenierung ist das Resultat eine derbe Klamotte mit dürftigen Kalauern. Helmut W. Banz Empfehlenswerte Filme "Dance, Girl, Dance" von Dorothy Arzner. "Müuchhausen" von Josef von Baky "Mörderspinnen" von John "Bud" Cardos "Der kleine Godard" von Hellmuth Costard "Der Untergang des Hauses Usher" von Roger Corman "Eine entheiratete Frau" von Paul Mazursky "Die Invasion der KÖrperfres