Allen Dementis zum Trotz glauben die deutschen Bierbrauer, daß sich der amerikanische Zigarettenkonzern Philip Morris am deutschen Braumarkt engagieren will.

Seit die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank vor Monaten kleinere Aktienpakete ihrer bisherigen Mehrheitsbeteiligungen Erste Kulmbacher Actien-Exportbier-Brauerei (EKU) und Reichelbräu AG abgegeben hat, argwöhnen Branchenbeobachter, der amerikanische Zigarettenkonzern Philip Morris stehe hinter diesen Transaktionen. Die Pakete gingen damals an eine schweizerische Finanzierungsgesellschaft, deren Repräsentant, der Rechtsanwalt Peter Ullmann, im Reichel-Aufsichtsrat bereits vertreten ist und sich bei der EKU schon gründlich umgesehen hat. Und eben dieser Peter Ullmann, so wird vermutet, steht in Diensten von Philip Morris.

Eine der Tochtergesellschaften des Konzerns ist die Miller Brewing Company, die expansivste amerikanische Brauerei. Sie hat sich 1977 mit einem Ausstoß von 28 Millionen Hektolitern auf den zweiten Platz auf dem amerikanischen Markt vorgeschoben – hinter Anheuser-Busch (rund 43 Millionen Hektoliter).

Bei der Bayern-Hypo ertönt unterdessen das gebotene Dementi: man verhandle nicht mit Morris. Vorstandsmitglied Siegfried Zimmermann, der im EKU-Aufsichtsrat sitzt, spricht von einer „glatten Ente“. „Tausend heilige Eide, daran ist kein Wort wahr.“ Und sein Bank-Kollege Manfred Rudolph, der dem Reichel-Aufsichtsrat präsidiert, wiegelt ebenfalls ab: „Solange ich dort drin bin, können Sie davon ausgehen, daß alles beim alten bleibt.“

Wie man auch diese Dementis In Sachen EKU und Reichel bewerten mag: Als sicher darf jedenfalls gelten, daß Philip Morris sich bemüht, die Bande zu einer Brauerei enger zu knüpfen, mit der Miller in den USA schon prächtige Geschäfte macht: mit Löwenbräu, München. Das von Miller drüben gebraute Löwenbräu läuft so gut, daß die Münchner dem Vernehmen nach schon in diesem Jahr mit Lizenzeinnahmen zwischen acht und zehn Millionen Mark rechnen können.

Um diese für beide Seiten lukrative Kooperation mit Löwenbräu abzusichern, möchte Philip Morris nicht nur eine Schachtel, sondern am liebsten gleich die Mehrheit erwerben. Die Bayern-Hypo hält eine Löwenbräu-Schachtel direkt und eine weitere indirekt.

Zwar hat die Philip Morris GmbH in München schon vor Monaten solche Pläne dementiert. Aber das besagt wenig. Die Frage ist nur, ob die Hypo geneigt ist, auf das Liebeswerben der Morris-Manager einzugehen.

Der Erfolg des Millerschen Löwenbräu hat unterdessen auch beim amerikanischen Bier-Giganten Anheuser-Busch den Wunsch nach einer deutschen Lizenzmarke geweckt. Da trifft es sich gut, daß Brauerei-Chef August Busch III. mit dem Münchner Bankier August von Finck jun. befreundet ist. Während seines letzten Deutschlandsbesuchs sah sich Busch bereits bei der Würzburger Hofbräu ÄG um, an der das Bankhaus Merck, Finck & Co. die Mehrheit hält. Zwar wird auch in diesem Fall versichert, eine Beteiligung der Amerikaner stehe nicht zur Debatte. Einem Lizenzvertrag aber wären die Würzburger gewiß nicht abgeneigt. Und aus amerikanischer Sicht ist die Zugkraft des Namens „Hofbräu“ sicher der des „Löwenbräu“ gleich, auch wenn dieses aus München und jenes aus Würzburg kommt.