Wo Industrie steht, da gibt es auch Dreck, und wenn diese Industrie eine chemische ist, produziert sie nicht nur unansehnlichen, stinkenden, sondern zudem giftigen oder explosiven Abfall. Daß wir mit ihm leben müssen, ist der Tribut, den wir für die Segnungen unseres technischen Zeitalters zu entrichten haben.

Wie wir mit ihm umgehen sollen, regeln Bestimmungen. Gelegentlich aber wird ein industrieller Umweltverschmutzer dabei erwischt, daß er seinen Müll dort deponiert, wo es nicht erlaubt ist. Das wird dann öffentlich angeprangert, und das führt manchmal dazu, daß der – in der Regel nicht gerade notleidende – Sünder eine Geldbuße zu entrichten hat.

Doch nicht Strafen sind es, die in erster Linie solche Sünden – gottlob – zu den Ausnahmen machen. Dafür, daß das Gesetz eingehalten wird, sorgen vornehmlich die Firmen, die am Deponieren von Giftmüll Geld verdienen. Auch hier zeigt sich die Marktwirtschaft von der problemregulierenden Seite.

Auch hier aber lauert die für marktwirtschaftliche Regulatoren typische Gefahr, daß sich das System selbst ad absurdum führen kann. Ein Beispiel dafür war Anfang dieser Woche den Nachrichten zu entnehmen:

Eine Firma, die das Geschäft mit dem Deponieren gefährlichen Unrats betreibt, ist die Kali und Salz AG in Herfa-Neurode bei Hersfeld.

Wie schon ihr Name vermuten läßt, verfügt sie über ausgediente Kalibergwerke, also über unterirdische Lager für Gefährliches. Offenbar aber kann die deutsche Industrie die Kapazitäten der Salz und Kali AG mit ihrem Schmutz nicht auslasten. Darum bietet die Firma ihren Service weltweit feil.

So kommt es, daß 950 Fässer, gefüllt mit arsenhaltigem Abfall eines US-Chemiewerks, alsbald über den Atlantik geschifft und dann über Straßen oder Schienen durch bundesdeutsche Siedlungsgebiete nach Hessen transportiert werden, um hier eine Lagerstätte zu finden. In Amerika nämlich sind die Gesetze schärfer als bei uns, ergo müssen die Gifttransporteure besonders hohe Auflagen erfüllen, mithin viel Geld verlangen. Darum ist es billiger, die giftigen Soßen über Tausende von Kilometern in ein Land zu bringen, das mehr als zehnmal so dicht bevölkert ist wie die USA, anstatt sie zu einer der unzähligen verwaisten Gruben im eigenen Land zu karren.